„Positives Zukunftsbild für das Land“

Starke Partner:„Positives Zukunftsbild für das Land“

Der FDP-Politiker Andreas Pinkwart ist NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.

Was schätzen Sie an der Bergischen Wirtschaft besonders?

Andreas Pinkwart: An der Bergischen Wirtschaft beeindruckt mich besonders, dass sie sich schon früh aus eigenem Interesse zusammengeschlossen hat, um sich zu vernetzen. Durch die enge Zusammenarbeit der Industrie mit der Wissenschaft und Wirtschaftsförderungen entstand eine sehr kreative Basis für zahlreiche innovative Projekte in Zukunftsfeldern wie „Autonomes Fahren“, „Künstliche Intelligenz“ oder „Industrie 4.0“. Ein schönes aktuelles Beispiel hierfür ist der Verein „automotiveland. NRW“, der am 11. April 2019 gegründet wurde. In dieser Initiative diskutieren Unternehmen und Einrichtungen aus dem Bergischen Land die spannenden Themen von morgen mit Relevanz für die gesamte nordrhein-westfälische Automobilindustrie und entwickeln konkrete Maßnahmen. Solche Initiativen unterstützen wir nachdrücklich!

Wie beurteilen Sie die Investitionstätigkeit der Wirtschaft hier?

Pinkwart: Nach Jahren hoher Kapazitätsauslastung hat die konjunkturelle Schlagzahl nun spürbar nachgelassen. Das ist ein guter Zeitpunkt, um Investitionen nachzuholen. Ich freue mich sehr darüber, dass die Bergische Wirtschaft die Gelegenheit ergreift und Geld in die Hand nimmt, um durch mehr Mittel und zusätzliches Personal den Standort zu stärken und attraktiv zu erhalten. Besonders bei der Innovation sehe ich die Bergische Industrie sehr gut aufgestellt. Seit Jahren liegen die ansässigen Unternehmen mit ihren Investitionen und Beschäftigtenzahlen im Bereich Forschung und Entwicklung deutlich über dem Landesdurchschnitt. Zuletzt erreichten hier die Ausgaben fast die Milliardengrenze – so hoch wie in keiner anderen Wirtschaftsregion unseres Landes!

Stichwort Förderung: Welche Investitionen hat das Land selbst im Bergischen Städtedreieck zuletzt getätigt? Sind weitere zu erwarten?

Pinkwart: Die Landesregierung kurbelt mit verschiedenen Maßnahmen Investitionen an, die das Bergische Städtedreieck nach vorne bringen. Mit dem Regionalen Wirtschaftsförderprogramm bauen wir etwa gewerbliche Investitionen oder die wirtschaftsnahe Infrastruktur der Region aus. Im Rahmen des EFRE-Programms werden aus Landes- und EU-Mitteln zum einen Projekte unterstützt, die die Innovationsfähigkeit der Unternehmen stärken, zum anderen aber auch Projekte im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes oder der Ressourceneffizienz, der Mobilität und Logistik oder auch im Bereich der Gesundheitswirtschaft sowie der Medien und der Kreativwirtschaft. Damit zügig flächendeckend schnelles Internet verfügbar ist, stellen wir den Kommunen Co-Finanzierungsmittel sowie Breitbandkoordinatoren an die Seite, die den Bürgern und Unternehmen als hauptamtliche Ansprechpartner für den Netzausbau zur Verfügung stehen und aktiv Maßnahmen hierzu unterstützen. In der Region entsteht außerdem ein Kompetenzzentrum „Autonomes Fahren“, welches das Land mit Mitteln aus dem Programm „Regio.NRW – Innovation und Transfer“ fördert.

Unternehmen können sich dank der niedrigen Zinsen heute sehr günstig mit Krediten versorgen. Nutzen sie diese Chance für Investitionen?

Pinkwart: Die Zinsen für Kredite an Unternehmen liegen derzeit auf historisch niedrigem Niveau, wodurch kreditfinanzierte Investitionen sehr günstig sind. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen nach konjunkturell starken Jahren über eine solide Eigenkapitalausstattung verfügen. Darüber hinaus fördern wir mit unserem Digitalisierungskredit über die NRW.Bank und die Hausbanken die Bereitstellung von Krediten für strategische Digitalisierungsvorhaben in Unternehmen. Insgesamt herrscht also ein sehr günstiges Investitionsklima, das die Unternehmen nutzen, um in neue Maschinen, in die Forschung oder in Software zu investieren und sich so für die Zukunft zu rüsten.

Was tut die Landesregierung, um die Rahmenbedingungen der Unternehmen für Investitionen zu verbessern?

Pinkwart: Für uns ist die etwas schwächere Konjunktur ein zusätzlicher Ansporn, die Rahmenbedingungen für Investitionen weiter zu verbessern. Um die großen wirtschaftlichen Kräfte in Nordrhein-Westfalen zu nutzen und den nötigen Freiraum für Innovationen zu schaffen, hat die Landesregierung kurz nach Amtsübernahme die Entfesselungsoffensive gestartet. Mit den ersten drei Entfesselungspaketen haben wir bereits 40 unnötige Regelungen abgeschafft oder vereinfacht, die die Wirtschaft, Verwaltung, Gründer und Bürger unnötig belasten. Im nächsten Schritt beschleunigen wir die Genehmigungsverfahren und vereinfachen das Planungsrecht. Außerdem schaffen wir mit dem forcierten Netzausbau und der massiven Förderung von Innovationen und Gründungen gute Bedingungen für alle, die investieren und die Chancen am modernen Industrie- und Dienstleistungsstandort nutzen wollen. Auch in die Infrastruktur investieren wir endlich wieder mehr. Von all diesen Maßnahmen erhoffen wir uns eine neue Dynamik, neue Zuversicht und ein positives Zukunftsbild für das Land.

Themenwechsel, Bundesfinanzminister Scholz propagiert schon das „Ende der fetten Jahre“. Was erwarten Sie für die Wirtschaft in NRW?

Pinkwart: Der konjunkturelle Gegenwind hat zugenommen, das steht außer Frage. Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen wächst aber weiter, wenn auch mit nachlassender Dynamik. Vor allem Handelskonflikte und die Hängepartie beim Brexit dämpfen die wirtschaftliche Entwicklung. Trotzdem sehe ich eine erfreuliche Entwicklung bei der Beschäftigung: Im Jahr 2018 gab es einen Zuwachs um rund 160 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das entspricht einem Plus von 2,3 Prozent, womit wir etwas über dem Bundesdurchschnitt liegen. Die Arbeitslosenquote hat mit 6,8 Prozent im Jahresdurchschnitt einen historischen Tiefstand erreicht. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) prognostiziert für 2019 trotz eingetrübter Konjunktur einen weiteren Zuwachs um 100 000 neue Stellen.

Und im Bergischen Land?

Pinkwart: Zumindest im letzten Jahr konnte die Wirtschaft im Bergischen Land stärker zulegen als in anderen Regionen. Aber auch dort hat die Konjunktur mittlerweile etwas an Schwung verloren. Der Anteil der exportierenden Industrie ist in dieser Region besonders hoch – daher überrascht es nicht, dass sich auch die Stimmung der Bergischen Wirtschaft durch die handelspolitischen Konflikte eingetrübt hat.

Müssten diesen erwarteten Tendenzen nicht genau jetzt mit erhöhten Investitionen begegnet werden?

Pinkwart: Absolut. Die aktuelle konjunkturelle Abschwächung bietet Unternehmen die Gelegenheit, in Erneuerung zu investieren und sich auf den nächsten Aufschwung vorzubereiten. Jetzt ist also die richtige Zeit für Investitionen, um die PS auch auf die Straße zu bringen!

In welche Bereiche muss Ihrer Meinung nach ein Mittelständler heute investieren, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern?

Pinkwart: Wenn ich mit Unternehmern zusammen bin, kommen meist sehr schnell die Themen Innovation und Digitalisierung zur Sprache. Jeder Mittelständler muss sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Nur wenn die Chancen der Digitalisierung erkannt und genutzt werden, kann die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft der Unternehmen erhalten werden. Mein Eindruck ist, dass die meisten Mittelständler bereits auf einem guten Weg sind und sich dieser Aufgabe stellen. Allerdings zeigen Studien auch immer wieder, dass bei kleinen Unternehmen oft noch viel Luft nach oben ist. Die Landesregierung unterstützt mit verschiedenen Angeboten mittelständische Unternehmen: Mit dem Programm „Mittelstand innovativ!“ und der „Digitalisierungsinitiative Mittelstand“ bringen wir Innovations- und Digitalisierungsprojekte voran und stellen Finanzierungsmittel zur Verfügung. Professionelle externe Beratung kann über den Digitalisierungsgutschein oder über den Digitalassistenten bezuschusst werden.

Ohne ausreichende Fachkräfte können die Unternehmen nicht ihre volle Leistungskraft entfalten. Wie beurteilen Sie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und mit welchen Maßnahmen auf Landesebene möchten Sie dies flankieren um einem Mangel vorzubeugen?

Pinkwart: Wir begrüßen das Fachkräfteeinwanderungsgesetz als Schritt in die richtige Richtung, insbesondere die aufenthaltsrechtliche Öffnung auch für Fachkräfte mit nicht-akademischer Berufsausbildung sowie die Abschaffung der Vorrangprüfung für deutsche und EU-Arbeitnehmer. Darüber hinaus fordern wir aber auch die erleichterte Einwanderung zum Zweck der Berufsausbildung und des Spracherwerbs: Wenn nur wenige Fachkräfte aus Drittstaaten unsere Abschlüsse haben und unsere Sprache sprechen, müssen sie beides bei uns (nach-)lernen können. Die Qualifizierung der Beschäftigten unterstützt die Landesregierung unter anderem durch den Bildungsscheck NRW, die Potential- und Qualifizierungsberatung, das Fachkräfteprogramm, die Investitionsförderung von beruflichen Bildungsstätten oder die Technologieberatungsstellen. Das Programm „Fachkräfte.NRW“ haben wir für Berufskollegs geöffnet, damit sie ihre digitale Ausstattung modernisieren können. Um jungen Menschen schon zu Beginn ihres Berufslebens gleichwertige Entwicklungschancen zu einer akademischen Ausbildung zu geben, fördern wir außerdem den Ausbau und die Digitalisierung der Überbetrieblichen Ausbildungsstätten der Wirtschaft (ÜBS).

Ein Gedankenexperiment: Das Jahr 2030, Sie können als verantwortlicher Minister auf 13 Jahre erfolgreiche Wirtschaftspolitik in NRW zurückblicken. Wie stellt sich die Wirtschaft in NRW dar?

Pinkwart: Die Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger haben die Umwälzungen der Digitalisierung als Chance genutzt: Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen sind in vielen Bereichen Technologieführer wie der Künstlichen Intelligenz, dem Autonomen Fahren, der Cybersicherheit oder der Blockchain-Technologie. Dank der Digitalisierung konnten wir die wirtschaftliche Entwicklung und klimafreundliches Verhalten in Einklang bringen. Das ganze Land hat sich zur Modellregion für Energie- und Ressourcensicherung, klimaneutrale Industrie und Mobilität der Zukunft entwickelt – und ist damit Vorbild für andere. Das Land verfügt über gute verkehrliche Anbindungen, einfache Verwaltungsverfahren, eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur sowie exzellente Hochschulen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Hohe Lebensqualität und lebendige Startup- und Gründerkultur sind Ausdruck eines pulsierenden Wirtschaftslebens und locken Talente aus aller Welt nach Nordrhein-Westfalen.

Ralf Putsch

Für Knipex als produzierendes Unternehmen ist die technische Ausstattung eine wichtige Erfolgsgrundlage. Ohne gute Maschinen, Anlagen und Software erreichen wir nicht die Qualität und Wirtschaftlichkeit, um im Weltmarkt zu bestehen. In diesem Sinne investieren wir jedes Jahr erhebliche Summen: Wir ersetzen Alt durch Neu, erweitern die Kapazitäten und nutzen moderne technische Möglichkeiten, um noch präziser und rationeller zu fertigen – aber auch, um Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern, Ressourcen zu sparen oder Prozesse zu verbessern. Hierzu passend und für zusätzliche Beschäftigte planen wir – eine stabile wirtschaftliche Entwicklung vorausgesetzt – weitere neue Gebäude am Standort Cronenberg. Da unsere Mitarbeiter unsere wichtigste Erfolgsgrundlage sind, werden wir weiter systematisch in ihre Qualifikation investieren, vor allem für die modernen technischen Möglichkeiten und eine sich ändernde Arbeitswelt.

4. WZ-Autoschau Wuppertal