„Inkubatoren“ für innovative Gründer

Starke Partner:„Inkubatoren“ für innovative Gründer

Die Start-up-Szene braucht risikofreudige Investoren, deren Engagement über das reine Geldgeben hinaus geht.

Das eigene Unternehmen gründen: Für viele engagierte Menschen ist das ein großer Traum. Der Weg dahin ist genauso vielfältig wie die Beweggründe dahinter. Gerade in der jüngeren Vergangenheit ist die Gründung von Start-ups eine besonders beliebte Form, in das eigene Unternehmertum zu starten. Allgemeine Kriterien für Start-ups sind die innovative Geschäftsidee und ein hohes vermutetes Wachstumspotenzial. Insofern finden sich viele derart gegründete Unternehmen – durch die allgemeine Digitalisierung durchaus branchenübergreifend – im Internet und Technologiesektor.

Dabei ist es allerdings ein Irrglaube, dass diese Art des Gründertums und der innovativen Ideen jungen Menschen vorbehalten ist. „Das Durchschnittsalter der Firmengründer im Silicon Valley liegt bei 43 Jahren“, weiß Markus von Blomberg zu berichten, der mit seinem Geschäftspartner Tomas Brühne in Wuppertal die Mello GmbH betreibt, ein Inkubator für Start-Ups im Bergischen Land.

Auch in der Region gibt es viele Start-ups, vor allem in den Bereichen Sicherheitstechnik, Gesundheit und Dienstleistungen. Die Nähe zu zahlreichen Universitäten und Hochschulen in der Region spielt dabei ebenso eine Rolle wie die rekrutierbaren Mitarbeiter und potenziellen Kunden, die sich rund um das Bergische Land durchaus zahlreich finden. „Für erfolgreiche Start-ups gibt es im Prinzip vier wesentliche Faktoren“, sagt von Blomberg. „Eine gute Idee, Menschen, die sie umsetzen, Geld zur Finanzierung und Kunden.“ Ideen kämen sehr viele aus dem universitären Umfeld, aber auch aus den mittelständischen Betrieben heraus. Zukünftige Mitarbeiter und Fachkräfte fänden sich ebenso in Wuppertal wie im Umland, zum Beispiel Bochum, Düsseldorf oder Köln. „Und die Kundenmärkte sind hier in der Region mit Automotive, Gesundheitsbranche, Medizintechnik und Dienstleistungen unter anderem in der IT oder dem Personalmanagement hochinteressant.“ Für viele Start-ups ist die Finanzierungsfrage eine wesentliche, wenngleich die Experten genau diesen Punkt als weniger wichtig erachten. „Vor dem Geld kommen eigentlich viele andere Dinge“, sagt Tomas Brühne. „Aber in der Tat benötigt man dafür nicht die herkömmlichen Banken, die finanzieren derartige Geschäftsmodelle nicht, sondern Menschen und Institutionen, die bereit sind, hohes Risiko zu gehen.“

Über ein derartiges Netzwerk verfügt beispielsweise die Mello GmbH wie auch der Seed- und Wachstumsfonds „Bergisch Land – Südwestfalen“ (blsw.de), in dem Brühne und von Blomberg zwei von insgesamt fünf Fondsmanagern sind. Hierin haben Mello GmbH und Enjoy Venture GmbH Privatpersonen und Familienunternehmen zusammengeführt, die als „Business Angel“ bereit sind, einen Teil der Startup-Finanzierung zu übernehmen – die Grundlage dafür, dass Förderbanken wie die NRW.Bank, bundesweit die KfW oder Fonds wie der „High-Tech Gründerfonds“ (HTGF) ebenfalls mitfinanzieren. Daher wenden sich innovative Gründungswillige zunächst an entsprechende Organisationen, die wie die Mello GmbH auch nicht nur finanzieren, sondern vor allem mittelfristig begleiten und beraten.

„Unsere Strategien sind darauf ausgelegt, nach fünf bis sieben Jahren einen Exit zu vollziehen“, sagt Brühne. Das ist auch in etwa die Zeit, nach der ein Start-up nicht mehr als solches gilt beziehungsweise gelten will. „Wobei das meist auch eine Gefühlslage ist“, ergänzt von Blomberg. „Als Start-up befinden sie sich bildlich gesprochen irgendwo zwischen Abitur und Studium, genießen die Vorzüge der besonderen Aufmerksamkeit und Unterstützung, möchten aber trotzdem schnell erwachsen sein, als verlässlicher Lieferant oder Dienstleister gelten. Darum lässt sich der Startup- Begriff schlecht mit einer festen Laufzeit belegen.“

Am Anfang steht die Idee

Eine gute Idee ist schon eine wichtige Basis für die Gründung eines Start-up. Aber erst dann beginnen die eigentliche Arbeit und die Suche nach den Umsetzungsmöglichkeiten. Investoren und Inkubatoren findet man unter anderem über einen etwa siebenminütigen Pitch bei einer der vielen „Business Angel Marktplätze“ (BAM) in NRW – zwei davon finden pro Jahr auch in der Wuppertaler Schokoladenfabrik von Mello statt. Die Teilnehmer können sich mit ihrer Idee sowohl bei Mello wie auch bei der NRW.Bank bewerben und fünf werden dann für den Pitch ausgewählt. Das Beratungsangebot beginnt aber schon vorher. „Auf ihrem Weg bekommen Gründungswillige sehr viele Informationen durch erfahrene Unternehmer, sodass sich für sie schon der Beratungsprozess oftmals lohnt, auch wenn es letztendlich nicht zu einer Finanzierung kommen sollte“, erklärt Markus von Blomberg. „Als Investoren schauen wir uns 100 Ideen an, von denen drei in die ganz enge Wahl kommen und meist bleiben zwei davon übrig.“ Auch für das Scheitern gibt es mehrere Gründe. Die beginnen mit dem „falschen“ Team, gehen über fehlende Kundenorientierung bis hin zu mangelnder Flexibilität im Konzept. Erst zuletzt ist das fehlende, aber stets nötige Geld Ursache für die Aufgabe einer Geschäftsidee.


Immer mehr Geld fließt in Finanz-Start-ups

Banking per Smartphone, Autoversicherungen pro gefahrenen Kilometer, Zinsvergleiche für Tagesgeld: Deutsche Gründer setzen auf neue Geschäftsideen im Internet. Internationale Geldgeber bringen ihnen viel Vertrauen entgegen.

Deutsche Finanz-Start-ups haben zum Jahresauftakt Geld in Rekordhöhe für ihre digitalen Geschäfte eingesammelt. Im ersten Quartal warben die Firmen von Investoren 686 Millionen Euro ein und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor (325 Mio Euro). Das zeigen Zahlen der Beratungsfirma Barkow Consulting.

Demnach steckten Investoren von Januar bis März rund 77 Prozent mehr Geld in Finanz-Start-ups („Fintechs“) als im bisherigen Rekord-Zeitraum, dem Schlussquartal 2018. Die Summe von 686 Millionen Euro entspreche mehr als der Hälfte der eingesammelten Gelder im gesamten Vorjahr, sagte Geschäftsführer Peter Barkow.

Finanz-Start-ups haben sich mit digitalen Geschäftsmodellen neben klassischen Banken etabliert. Mit ihrer Innovationskraft machen sie den Geldhäusern teils Konkurrenz, teils arbeiten sie mit ihnen zusammen. 2018 hatten Finanz-Startups hierzulande erstmals mehr als eine Milliarde Euro Wagniskapital eingesammelt. Unternehmen und Wagniskapitalfonds geben den Gründern Geld in der Hoffnung, dass sich ihre Ideen durchsetzen und ihnen hohe Gewinne einbringen.

Zum starken Jahresauftakt trugen üppige Geldspritzen in boomende Fintechs bei, während zugleich die Zahl der Deals um fast ein Drittel auf 26 einbrach. Damit zeigte sich abermals, dass sich das Geld von Investoren auf die wenigen erfolgreichen Start-ups am Markt konzentriert. So warb die Berliner Online-Bank N26 im Januar alleine rund 260 Millionen Euro von Fonds ein. In das Geldhaus, das mit komfortablen Geschäften per Smartphone wirbt, hatte 2018 schon der Versicherer Allianz investiert. N26 gilt als erstes Fintech-Einhorn in Deutschland, also als Start-up-Unternehmen, das mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wird.

Hohe Summen flossen zudem an den Autoversicherer Friday, der Policen je nach gefahrenen Kilometern bepreist (114 Millionen Euro) sowie das Versicherungs-Start-up Wefox (110 Mio), das unter anderem den Abschluss von Hausrats- und Haftpflichtversicherungen per App in Minutenschnelle anbietet.

Ferner steckte eine Investorengruppe rund um den US-Zahldienst Paypal 100 Millionen Euro in die Berlin Firma Raisin, die Anlegern über das Portal „Weltsparen“ Tages- und Festgelder bei Banken im Ausland vermittelt. Sie versprechen etwas höhere Zinsen als inländische Institute.

Der globale Trend zu immer größeren Geldspritzen schlage sich auch in Deutschland nieder, sagte Barkow. „Deutsche Finanz-Start-ups haben aufgeholt und kommen an große Summen.“ Jedoch lasse sich der starke Jahresauftakt nicht für das Gesamtjahr fortschreiben. Zudem sei in der Finanzierung von Start-ups auffällig, dass zwar deutsche Konzerne bei den Deals mitmischten, aber keine Wagniskapitalfonds: Dort dominierten Amerikaner. „Deutsche Adressen waren hier nicht dabei.“