Ein architektonisch einmaliger Umbau

Starke Partner:Ein architektonisch einmaliger Umbau

In einem logistischen und architektonischen Kraftakt wird ein ehemaliger Bunker zum exklusiven Club unter der Erde umgebaut.

Die Brüder Markus und Thomas Riedel sind ein sich ergänzendes Gespann. Thomas Riedel feiert große Erfolge mit seiner Firma Riedel Communications, die weltweit Großveranstaltungen mit eigener Kommunikationstechnik und -konzepten ausstattet. Markus Riedel hat lange in Berlin gefeiert und ist in der Hauptstadt zum intimen Kenner der Clubszene geworden. Beide sind die Köpfe hinter der Tiefbunker Brausenwerth GmbH & Co. KG.

Die Firma wird gemeinsam mit der Stadt den Schlussstein des neuen Döppersbergs setzen. Die Stadt verantwortet den Park, die GmbH die zwei Pavillons. Insgesamt entsteht so auf dem Areal zwischen Wupper und Bundesallee von der alten Freiheit bis zur Morianstraße ein Raum, der über die Mieter der zwei Pavillons die drei Funktionen Erholung, Marketing und soziales Engagement vereinen wird.

Diese Funktionsmischung ist den Brüdern wichtig – sehen sie ihre Investition doch nicht als klassisches Renditeprojekt. Die Motivlage scheint eine Mischung zwischen einem konsequenten Verfolgen der eigenen Interessen und Philanthropie zu sein: „Wenn wir mit der Realisierung unseres Traums auch der Stadt, die uns groß gemacht hat, etwas zurückgeben können, empfinden wir das als ideal“, resümiert Markus Riedel, der auch dem Vorstand der Utopiastadt angehört. Mit ihrer Einstellung passen sie damit in die lange Tradition des bürgerschaftlichen Engagements in Wuppertal. Parks, Gebäude und Kunst sind hier so entstanden.

Für die eigene Traumerfüllung investieren die Riedels einen hohen einstelligen Millionenbetrag, weiter möchten sie sich nicht in die finanziellen Karten schauen lassen. Von der Gesamtinvestition wird am Ende höchstens die Hälfte direkt sichtbar sein. Denn der Wupperpark hat ein Loch. Ziemlich genau in der Mitte. In diesem verschwindet der Großteil des finanziell und idealistisch engagiertem Projekts.

Im Untergrund von Wuppertal soll ein Club von Weltrang entstehen

Die Öffnung ist der Zugang zum Tiefenbunker Brausenwerth, der sich fast unter dem gesamten Wupperpark erstreckt. 1942 als Luftschutzbunker erbaut, in der Nachkriegszeit als Notunterkunft genutzt, diente er zuletzt Feuerwehr und Katastrophenschutz als Lager- und Übungsraum. Die Brüder Riedel sind angetreten, um hier einen Club zu schaffen, der jeder Metropole würdig wäre.

Die Antwort auf die Frage nach der inhaltlichen Ausrichtung des modernen Kulturangebots fällt knapp aus: „Elektronische Bassmusik“, antwortet Markus Riedel trocken. Das kann noch vieles sein und genauso ist es wohl auch gemeint. „Clubmusik ist heute sehr vielfältig. Aber das sehr internationale Programm des Plattenladens Hard Wax in Berlin gibt ganz gute Hinweise darauf, in welche Richtung unsere Reise gehen wird“, erklärt er. Elektronische Tanzmusik gibt es auf allen Kontinenten mit zum Teil starken regionalen Einflüssen. Der grenzenlose Digitalkosmos sorgt für regen Austausch zwischen den verschiedenen Richtungen und wird diese auch in Wuppertal hör- und erlebbar machen. Markus Riedel sieht diese Musik als künstlerische Ausdrucks- und Erlebniswelt und schafft einen Raum für Gleichgesinnte.

Es geht nicht um avantgardistische Höhenflüge einer digitalen Bohème, sondern um ehrlich tanzbare Musik, die Geist und Körper bereichert. Um seine Vision mit Künstlern und Musik zu füllen, holt er zahlreiche Szenegrößen von der Spree an die Wupper.

Die Klangqualität wird den großen Club-Brüdern ebenbürtig sein

Bei Stil, Flair und Programm scheuen die Macher den Vergleich zu weltbekannten Clubs wie Berghain in Berlin oder Ministry of Sound in London nicht. Diese Clubs werden immer größer bleiben, aber in einer entscheidenden Kategorie möchte der Bunker Brausenwerth von Anfang an ebenbürtig sein: der Klangqualität. Sie ist die alles entscheidende Größe und mit Riedel Communications im Rücken kann hier gar nicht zu viel erwartet werden.

Architektonisch ist das Vorhaben des Bunkerumbaus beispiellos. Überirdische Hochbunker sind schon öfter für die unterschiedlichsten Nutzungen umgebaut worden. Ein Tiefbunker stellt die Architekten jedoch vor ganz andere Herausforderungen. Natürlich ist der Ort ideal, um ohne jede Störung nach außen lauten Musikgenüssen zu frönen. Doch im Bunker müssen erst einmal die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen sein.

Die schon erwähnten hohen Ansprüche an die Akustik und die ganz normalen Bedürfnisse eines Clubs erfüllt das Objekt in keiner Weise. Die harten Betonwände werfen den Schall brutal zurück. Aus lauter Musik entsteht schnell ein einziger dicker Schallbrei. Ziemlich genau das Gegenteil von dem, was hier gebraucht wird. Die baulichen Maßnahmen zur Herstellung der perfekten Raumakustik, wird die Kosten für die Musikanlage deutlich übersteigen.

Eine Investition in guten Klang, die in gleicher Intention auch in modernen Opernhäusern getätigt wird. Der Hauptraum, in dem abgetanzt werden soll, verfügte lediglich über eine Deckenhöhe von 2,6 Metern. Für ein wohliges Cluberlebnis unbrauchbar. „Um den Anspruch des Bauherrn von mindestens vier Metern Raumhöhe erfüllen zu können, musste die 1,7 Meter dicke Deckenplatte ausgegraben, in über 50 Teile von etwa 19 Tonnen zersägt, gehoben und abtransportiert werden“, erinnert sich Holger Erke vom ausführenden Büro Arntz Erke Architekten. Das entstandene Loch wird mit einer 75 Zentimeter dicken Platte von 13 mal 17 Metern geschlossen. Auf ihr wird der Wupperpark erbaut.

Damit ist nur der Rohbau des Hauptraums abgeschlossen. Insgesamt hat der Club eine Grundfläche von 1200 Quadratmetern auf denen bis zu 600 Gäste unvergessliche (Klang-) Erlebnisse feiern können.

DATEN

GRUNDFLÄCHE 2.300 m2
NUTZFLÄCHE CLUBS 1.200 m2
AUSSENWÄNDE 1,80 m
BETONDACH 1,70 m
HÖHENLAGE 6,50 m unter der Erde
RAUMHÖHE (BESTAND) 2,60 m
RAUMHÖHE NEU (MAINFLOOR) 4,00 m

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