Zwei Handwerkerinnen in „Down Under“

Handwerk in Wuppertal:Zwei Handwerkerinnen in „Down Under“

Zwei angehende Tischlerinnen aus Ostwestfalen, beide 19 Jahre alt, beiden möchten nach ihrer Gesellenprüfung zum Work and Travel nach Australien.

Nach der Schule zum Work and Travel, ein Auslandssemester während des Studiums oder zum Praktikum ans Ende der Welt - für junge Leute mit Abitur gilt das heute fast schon als selbstverständlich. Die Lust aufs Reisen ist groß, vor allem bei jungen Erwachsenen mit Hochschulberechtigung. Aber nur wenige gehen nach ihrer Berufsausbildung ins Ausland, um bei Work and Travel Einblicke in die ausländische Arbeitswelt zu gewinnen sowie Land und Leute beim Reisen zu entdecken. Das zeigte eine Umfrage von Auslandsjob.de von 2017, bei der 2234 junge Menschen befragt wurden.

Nur 18 Prozent der Umfrageteilnehmer hatten zum Zeitpunkt der geplanten Auslandszeit eine Berufsausbildung abgeschlossen, und nur drei Prozent hatten einen Haupt- oder Realschulabschluss. Fast 80 Prozent der Befragten besaßen dagegen eine höhere Schulausbildung wie das Abitur, die Fachhochschulreife oder einen Hochschulabschluss, wenn es auf die große Reise geht.

Im Ausland mal über den Tellerrand schauen

Dabei ist direkt nach dem Abschluss einer Ausbildung die ideale Zeit, im Ausland mal über den Tellerrand zu schauen. Handwerker, aber auch andere ausgebildete jungen Fachkräfte sind im Ausland gerne gesehen Gäste, wenn sie ihre beruflichen Erfahrungen mit anderen teilen. Damit das Abenteuer Ausland gelingt, ist im Vorfeld der Reise eine gute Planung wichtig. Das haben auch zwei angehende Tischlerinnen aus Ostwestfalen, beide 19 Jahre alt, beachtet. Die beiden möchten jetzt nach ihrer Gesellenprüfung zum Work and Travel nach Australien.

Stella Meschede aus Lippstadt und Sophie Tönsfeuerborn aus Wiedenbrück lernten sich in der Berufsschule kennen. Beide haben einen Realschulabschluss und arbeiten in ihren Ausbildungsbetrieben. Bis zur Gesellenprüfung arbeitete Stella beim Möbelhersteller Röhr-Bush in Rietberg-Mastholte, Sophie bei der Tischlerei Holste in Wiedenbrück. Die Firmen zeigten sich aufgeschlossen für die Auslandszeit und stellten nach Rückkehr eine Wiederbeschäftigung in Aussicht.

Die Entscheidung für das Reiseziel Australien trafen die beiden schon im Herbst vergangenen Jahres. Danach folgte die intensive Orientierungsphase. „Wir haben uns wie wild umgesehen. Haben viele Erlebnisberichte und Webseiten genau gelesen, um viele Informationen zu Flügen, Visa und Kosten zu bekommen“, sagt Stella Meschede. „Man sollte jede Informationsmöglichkeit nutzen und auch Bekannte und Freunde befragen“, ergänzt Sophie Tönsfeuerborn. Nach einer Informationsveranstaltung beim „Work and Traveller“ in Rheda-Wiedenbrück stand fest: „Zum Start will ich von hier aus ein Surf-Paket mit Kurs und Unterbringung buchen, später werden wir vielleicht gemeinsam ein Auto kaufen und dann als Tischlerinnen in Down Under arbeiten“, erzählt Sophie.

Bei Problemen neue Wege finden

Nach dem betreuten Start kann das Australien-Abenteuer auf eigene Faust beginnen. Während ihrer Auslandszeit suchen die beiden vor allem das Abenteuer beim Reisen, aber auch neue berufliche Erfahrungen im Tischlerhandwerk. „Wenn wir jetzt nicht die Möglichkeit nutzen, ein Jahr Spaß, Kultur und Arbeit im Ausland zu erleben, dann jammern wir später nur den Träumen hinterher“, sagt Stella. Klar könne mal Heimweh aufkommen, vielleicht auch, dass man alles schmeißen und zurück nach Deutschland wolle. „Aber es ist auch wichtig für einen selber, bei Problemen neue Wege zu finden. Daran werden wir sicher wachsen“, bemerkt Stella. Ihre Reisekollegin Sophie sieht alles erstmal sehr gelassen und macht sich eher Gedanken, dass zu Hause etwas passiert, denn von Australien sei es eben kein Katzensprung nach Deutschland.

Die Jobmöglichkeiten schätzen beide als sehr gut ein, obwohl sie noch keinen festen Arbeitsplatz haben. „Wir haben aber beide bereits von Arbeitskollegen und Bekannten Firmenadressen bekommen, wo wir uns melden können“, sagen die Reisenden. „Außerdem sind wir jung und haben gute Chancen auf Arbeit. Handwerkerinnen, die duale Ausbildung und das deutsche Handwerk sind in Australien sehr geschätzt“, bekräftigt Sophie.

Hohe Bezahlung für qualifizierte Kräfte aus Deutschland

In der Tat sind gut ausgebildete Handwerker seien in Australien gesucht. Ihr hohes Ansehen spiegelt sich auch im hohen Lohn wider. Mit einer sehr guten Bezahlung könnten auch alle qualifizierten Jobber aus Deutschland rechnen. Zudem zeigt die Arbeit auf einem anderen Kontinent nicht nur neue Arbeitstechniken im jeweiligen Handwerk, sondern verspricht auch neue Kollegen und Freundschaften. Die Erfahrungen in einer fremden Kultur und Umgebung verbessern des weiteren die Fremdsprachenkenntnisse und trügen dazu bei, Selbstbewusstsein und Persönlichkeit zu entwickeln.

Es gibt so viele Möglichkeiten für kürzere und längere Aufenthalte, um Auslandserfahrung zu sammeln: Work and Travel beispielsweise in den Bereichen Handwerk, Landwirtschaft oder Gastronomie. Im Rahmen von Freiwilligenarbeit kann man sich im Sozial- und Gesundheitswesen oder zum Beispiel bei Organisationen im Umwelt- oder Tierschutz engagieren. Wer gerne mit Kindern arbeitet und das Leben in einer Gastfamilie erleben will, kann als Au-pair tätig werden. Von 18 bis 30 Jahren können junge Leute in Australien und Neuseeland für zwölf Monate mit dem Working-Holiday-Visum das Reisen mit dem Jobben verbinden, in Kanada sogar bis zum 35. Lebensjahr.

auslandsjob.de


Beruf mit Fingerspitzengefühl

Die Glaser-Innung freut sich über eine gute Auftragslage und kämpft mit Nachwuchsmangel

Immer öfter entscheiden sich die Menschen im Bergischen Land für Glas, wenn sie eine neue Duschtür brauchen. Und auch in der Küche wird Glas immer beliebter – dank des Digitaldrucks entstehen individuelle Wandverkleidungen.

Arbeit mit Glas ist einfach faszinierend

„Die Auftragslage ist gut“, bestätigt Felix Fillinger, Obermeister der Glaser-Innung. Die positive Entwicklung habe vielleicht etwas später eingesetzt als in anderen Gewerken. Aber auch im vergangenen Jahr hätten Glaser in der Region bereits viel zu tun gehabt. Und dann sind Fachleute wie Felix Fillinger in ihrem Element: „Die Arbeit mit dem Werkstoff Glas ist einfach faszinierend“, sagt der Obermeister. Sie erfordere Fingerspitzengefühl und gleichzeitig Kraft. „Und wir sind seltener lange auf großen Baustellen gebunden als andere Gewerke“, sagt der Obermeister, „dadurch bleibt der Beruf sehr abwechslungsreich.“ Neben den kreativen Herausforderungen, die etwa in Wandverkleidungen stecken, werden Glaser nach wie vor für die Fenstermontage, für Reparaturverglasung und den Innenausbau beauftragt.

„Manchmal ist es im Handwerk schwierig, dem Kunden die angemessenen Preise zu vermitteln“, sagt Fillinger und erinnert daran, dass im Handwerk Fachleute an der Arbeit sind. Die große Herausforderung der Branche dreht sich aber auch bei den Glasern vor allem um die Nachwuchsfrage.

„Wir können dringend Mitarbeiter gebrauchen“, sagt Fillinger. Der Beruf sei nicht so bekannt wie andere, die Innung klein. Deswegen sei es auch sehr schwer, Auszubildende zu finden. „Die Lage hat sich in einigen Betrieben aktuell etwas entspannt, weil junge Flüchtlinge als Auszubildende angestellt werden konnten“, sagt der Obermeister und berichtet von einem jungen Mann aus Guinea.

Als Praktikant habe dieser erste Erfahrungen im Betrieb gesammelt, zunächst aber mit der Sprache gekämpft. Inzwischen habe er jedoch alle Sprach-Prüfungen bestanden und die Ausbildung begonnen.


Preise im Handwerk auf niedrigem Level

Der Obermeister der Tischler-Innung freut sich über gute Auftragslage, beklagt aber äußere Bedingungen.

Terrassen im Sommer, Einbruchschutz im Herbst: Das Aufgabengebiet der Tischler ist weit gefächert. Natürlich würden auch weiterhin individuell gefertigte Möbel, sowie Fenster und Haustüren nachgefragt, sagt Thomas Landsiedel, Obermeister der Tischlerinnung Wuppertal. „Aus meiner Sicht ist die Auftragslage für die meisten Betriebe gut“, erklärt er. Allerdings: „Die Preise sind nicht auf dem Level, die wir brauchen, um unsere Mitarbeiter adäquat bezahlen zu können.“ Außerdem würden in vielen Betrieben Mitarbeiter fehlen, um die ausstehenden Aufgaben bewältigen zu können. „Es fehlt an geeigneten und gut ausgebildeten Facharbeitern“, sagt Landsiedel.

Immer mehr bürokratische Hindernisse

Hinzu kommen äußere Rahmenbedingen, die die wirtschaftlichen Herausforderungen beeinflussen. „Die Bürokratie wird nicht abgebaut, sondern wir müssen uns auf immer mehr Hindernisse einstellen“, sagt der Obermeister der Tischler-Innung. Dazu würden Einfahrtbegrenzungen in die Innenstadt und die Entwertung der handwerklich genutzten Dieselfahrzeuge eben so zählen, wie die neue Datenschutzgrundverordnung. Außerdem spiele die Nutzung der sozialen Medien und die Diskussion um die Digitalisierung eine zunehmende Rolle auch im Handwerk und bringe nicht nur positive Entwicklungen mit sich. Wo viele Branchen inzwischen unter Nachwuchsmangel leiden, gibt Landsiedel für das Tischlerhandwerk Entwarnung: „Bei uns im Bergischen scheint es keinen Nachwuchsmangel zu geben“, sagt er. Vielmehr würden ausbildungswillige Betriebe fehlen. Dafür allerdings wirbt er um Verständnis. „Die Ausbildung ist ein wenig lukratives Feld“, erklärt er, „das von äußeren Zwängen auf die Ausbilder beherrscht wird.“ Allerdings engagiere sich das Tischlerhandwerk im Bergischen bereits intensiv in der Nachwuchsarbeit und sei auf Ausbildungsbörsen präsent. „Da die Anforderungen an einen Auszubildenden im Tischlerhandwerk trotz Zugang mit Hauptschulabschluss sehr hoch sind, ist die Zahl der für die Betriebe interessante Bewerber leider nicht hoch genug“, sagt Landsiedel und wirbt für sein vielseitiges Handwerk.

wuppertaler-tischler.de