Wuppertaler Bäcker-Innung: Mitarbeiter mit Behinderung

Handwerk in Wuppertal:Wuppertaler Bäcker-Innung: Mitarbeiter mit Behinderung

Die Wuppertaler Bäcker-Innung ist gut aufgestellt, trotz Billig-Konkurrenz. Dirk Polick, Obermeister der Bäcker-Innung, baut in seinen Betrieben auf Inklusion.Seit Jahren beschäftigt er regelmäßig auch Mitarbeiter mit Behinderung und setzt damit im Handwerk neue Akzente.

Wie Inklusion in der Arbeitswelt und speziell im Handwerk erfolgreich umgesetzt werden kann, dafür ist Dirk Polick, Obermeister der Wuppertaler Bäcker-Innung, mit seinen Betrieben ein Vorbild. Seit Jahren werden dort regelmäßig Personen mit Behinderung eingesetzt, sei es für Praktika oder auch in einer Ausbildung. 

Begonnen hat es im Jahr 2013 mit einem damals bereits 33-jährigen Mann, der unter anderem eine Lernschwäche aufwies. Der junge Mann war Polick von dem Verein Lebenshilfe vermittelt worden. „Zunächst haben wir ihn für einfache Tätigkeiten im Betrieb eingesetzt. Später haben wir ihn dann sogar ausbilden können. Und er hat am Ende – unter einer gewissen Berücksichtigung seines Handicaps – die Prüfung erfolgreich absolviert und seinen Abschluss gemacht“, berichtet Polick. 

Diese Erfahrung war für den Bäckermeister eine Art Initialzündung. Seither kommen regelmäßig junge Menschen sowie Menschen mittleren Alters mit Handicap in seinen Betrieben zum Einsatz. Aktuell sind neun Personen mit Behinderung bei Polick beschäftigt, zudem vergibt er pro Jahr zehn Praktikumsstellen. 


Policks Backstube

„Das ist ein Lernprozess für alle Beteiligten. Nicht nur für die Neueinsteiger und die Mitarbeiter, sondern auch für die Kunden“, berichtet Polick. „Wenn die Kunden etwa im Verkauf auf Menschen mit Behinderung treffen, gibt es zunächst vielleicht Erklärungsbedarf. Aber das Feedback war bisher eigentlich immer gut.“ Im Gegenteil, die Kunden ließen sich in der Regel gerne darauf ein, so Policks Erfahrung. „Es ist sogar eine richtig angenehmere Atmosphäre entstanden. Man wird feinfühliger, die soziale Kompetenz wächst bei allen Beteiligten.“ Inzwischen sei die Inklusion in seinen Betrieben ganz selbstverständlich und „eigentlich kein Thema mehr“.

So unterhält das Unternehmen Polick, das inzwischen in Wuppertal und dem Umland als „Bäcker mit Herz“ gilt, mittlerweile einen regelmäßigen Kontakt unter anderem zum Jobcenter, dem Verein Lebenshilfe, zu proviel, einem Wuppertaler Verein, der sich für Arbeiten mit psychischer Behinderung einsetzt, sowie zur Stadt.

„In der Regel kommen die neuen Mitarbeiter zunächst einmal mit einem Betreuer zu uns. Diese informieren uns über die Art der jeweiligen Behinderung, und gemeinsam schauen wir dann, wo der neue Mitarbeiter im Rahmen seiner Möglichkeiten eingesetzt werden kann und wo seine Grenzen sind“, berichtet Polick. Jeden Monat gibt es ein Feedback, das ist ein stetiger Prozess.“ Einige dieser Beschäftigungsverhältnisse sind schließlich in eine Ausbildung gemündet. Polick: „Das kann man anfangs jedoch nicht unbedingt einschätzen. Es ist schon vorgekommen, dass jemand nach zwei Jahren plötzlich geradezu explodiert ist, und einen enormen Fortschritt gemacht hat. Aber das ist ganz individuell.“ Eine tolle Erfahrung für ihn und sein Team sei aber auf jeden Fall die große Dankbarkeit, die sie regelmäßig zurückbekämen. Besonders rührt ihn die Erfahrung, dass einer der solchermaßen im Betrieb beschäftigten jungen Leute sich dann auch privat selbstständig gemacht hat. „Das ganze Team hat ihm bei der Suche nach einer Wohnung wie auch bei der Einrichtung geholfen. Es waren alle mit viel Freude dabei.“

Die Bäckerei Polick unterhält übrigens auch eine Filiale im Cap-Markt, einem Lebensmittelmarkt am Eckbusch, wo unter Leitung von proviel Menschen mit psychischer Behinderung arbeiten.

Vorteile der frühen Arbeitszeiten im Bäckerhandwerk

Wie auch andere Innungen muss sich das Bäckerei-Handwerk um den Nachwuchs bemühen, denn der kommt nicht von alleine. Wir gehen in die Schulen und erklären den jungen Leuten, was wir machen“, berichtet Polick. Denn es gebe viele falsche Vorstellungen unter den jungen Leuten. „Die frühen Arbeitszeiten in unserem Beruf haben ja durchaus auch Vorteile. Zum Beispiel, dass man mehr Zeit für die Familie hat, weil man früher nach Hause kommt. Das macht das Leben doch um einiges leichter.“ Im übrigen helfe die Technik ja heutzutage auch – etwa mittels computergesteuerter Kühlsysteme, so dass auch tagsüber bei gleich hoher Qualität produziert werden könne.

Insgesamt habe es die Bäcker- Innung gut verstanden, sich gegen die Konkurrenz der Backshops und der Discounter zu behaupten. „Qualität setzt sich noch immer durch. Sie hat allerdings auch ihren Preis, denn nicht zuletzt sind es viele Hände, die es für gutes Backwerk brauacht“, sagt Polick. „Aber solange wir nicht abheben, akzeptieren unsere Kunden das auch.“


Verbindung von Tradition und Ernährung

Das Deutsche Brotinstitut hat das Bauernbrot zum Brot des Jahres 2019 gewählt. Es folgt damit dem Dinkel-Vollkornbrot als Brot des Jahres 2018.

Bauernbrote sind traditionelle Mischbrote aus Roggen- und Weizenmehl, deren Teig unter Zugabe von Sauerteig sowie Wasser, Hefe und Salz hergestellt wird. Bei Bauernbroten handelt es sich in der Regel um runde Brotlaibe, die direkt auf der heißen Ofenfläche recht kräftig gebacken werden. Charakteristisch sind eine bemehlte, rissige Kruste und damit ein rustikales Aussehen nebst einem kräftigen Aroma in Kruste und Krume.

Bei traditionellen Brotmahlzeiten sehr beliebt

Aufgrund der weiten Genusskombination mit verschiedensten Brotbelägen ist das Bauernbrot insbesondere bei traditionellen Brotmahlzeiten wie dem Pausen- oder dem Abendbrot sehr beliebt.

Der wissenschaftliche Beirat des Deutschen Brotinstituts hat sich für das Bauernbrot auch wegen dessen Roggenanteil entschieden. Der Roggen ist das traditionelle Brotgetreide Deutschlands, wurde im Jahr 1960 aber durch den Weizen abgelöst. Heute wird in Deutschland zehnmal mehr Weizen als Roggen geerntet. Ein höherer Verzehr von roggenhaltigen Broten wäre aus Sicht der landwirtschaftlichen Fruchtfolge sowie für die Vielfalt der Ernährung sinnvoll, nicht nur aufgrund des hohen Ballaststoffanteils von roggenhaltigen Mehlen.

In der als immaterielles Kulturerbe anerkannten Deutschen Brotkultur mit ihren über 3200 verschiedenen Brotspezialitäten stellt das Bauernbrot eine besonders weit verbreitete Spezialität dar, die fast überall zu erwerben ist. Es gibt dabei unterschiedliche regionale Ausprägungen. Während Bauernbrote in weiten Teilen des Landes Roggenmischbrote mit hohem Roggenanteil sind, überwiegt im Westen und Südwesten Deutschlands meist der Weizenanteil im Brot. Im Münsterland wird dem Bauernbrot oft noch etwas Butter oder Schmalz zugesetzt und das Brot als „Bauernstuten“ bezeichnet. In Franken und der Oberpfalz werden Bauernbrote traditionell mit Koriander, Kümmel und Fenchel gewürzt und zuweilen als besonders große Brotlaibe angeboten.

Für das Deutsche Brotinstitut verbindet das Bauernbrot Tradition, Emotion, Ernährung, Ökologie sowie Genusswert in allerbester Weise, daher wird es zum Brot des Jahres 2019 ernannt.