Wichtig für die Demokratie

130 Jahre in Wuppertal:Wichtig für die Demokratie

Der General-Anzeiger hat Wuppertal immer kritisch-konstruktiv und stadtverbunden mit seinen Artikeln begleitet.

Liebe Wuppertalerinnen, liebe Wuppertaler,

130 Jahre WZ – oder wie früher – General-Anzeiger: Dazu gratuliere ich herzlich – auch im Namen der Stadt Wuppertal. Es ist „unsere“ Tageszeitung, die das Wuppertaler Stadtleben beobachtet, über alles informiert und uns konstruktiv- kritisch durch den Alltag begleitet. Danke dafür!

In einer Zeit, in der in Demokratien Medien und die Pressefreiheit in Frage gestellt werden, müssen wir jeden Tag deutlich machen, dass die Freiheit und Unabhängigkeit von Medien und der journalistischen Berichterstattung zentrale Bedeutung für die demokratische Meinungsbildung haben. Die Pressefreiheit ist ein Grundpfeiler unserer Verfassung, den es zu achten und zu schützen gilt!

Denn Freiheit bedeutet immer auch die Freiheit der Andersdenkenden. Und ich bin der Meinung, dass wir das in Wuppertal ziemlich gut hinbekommen. Wuppertal ist eine tolerante, weltoffene Stadt, in der es munter, aber friedlich zugeht. Wir Wuppertalerinnen und Wuppertaler neigen zwar gerne einmal zur bergischen „Pröttelei“, sind aber stets zutiefst bodenständig, zielstrebig, hilfsbereit und vor allem innovativ.

Innovation und Wandel: Dafür steht Wuppertal seit 200 Jahren – davon 130 Jahre begleitet durch unseren General-Anzeiger beziehungsweise die WZ. Hier im Tal der Wupper begann die Industrialisierung Zentraleuropas, hier wurde und wird erfunden, entwickelt, gegründet, gemacht und Geschichte geschrieben. Darauf können wir stolz sein – und daran müssen wir festhalten. Wir waren keine Residenzstadt, hier lebten keine Fürsten oder Bischöfe – hier haben Bürgerinnen und Bürger alles selbst erarbeitet. Darauf bauen wir weiter auf.

Denn Wuppertal ist eine wachsende, dynamische Stadt im Aufbruch – mit viel Zuversicht. Und dabei gilt es, alle hier in der Stadt lebenden Menschen, egal welcher Herkunft, ob arm oder reich, stark oder schwach, mitzunehmen.

Jeder Mensch in dieser Stadt gehört in die Mitte der Gesellschaft, verdient Beachtung, Respekt und Gehör.

Um Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erreichen, müssen wir alle unsere kommunalen Möglichkeiten ausschöpfen, um beispielsweise Armut zu bekämpfen und allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Bildungschancen zu bieten. Und wir benötigen natürlich auch ausreichend gute und fair bezahlte Arbeitsplätze. Da ist Wuppertal auf einem guten Weg!

Es gilt die Stadt im Sinne des 200 Jahre alten Gründergeistes weiter zu entwickeln und damit zukunftsfähig zu machen. Viele Projekte sind in der Realisierung, allen voran der Döppersberg, der in die Zielgerade geht. Altes wird mit Neuem verknüpft, Tradition und Innovation verschmelzen. Das gilt übrigens auch für unsere WZ. Denn die Zeitungsgründer vor 130 Jahren hätten sich bestimmt nicht träumen lassen, dass ihre Zeitung mittlerweile auch digital erscheint.

Eine Stadt, die sich nachhaltig nach vorne entwickelt und dabei bodenständig bleibt – das ist unser Wuppertal. Ich lade alle Menschen ein, mitzumachen, die unsere Stadt nach vorne bringen wollen – ob Einzelkämpfer oder Weltunternehmen, ob Ehrenamtler oder Profi, ob alt oder jung. Gemeinsam und auf Augenhöhe bringen wir unsere Stadt Stück für Stück an die Spitze – dorthin, wo sie hingehört. Und die WZ wird uns auf diesem Weg wie gewohnt weiterhin mit kritisch-konstruktivem Blick, unabhängig und stadtverbunden begleiten.

Andreas Mucke
Oberbürgermeister



Heimatzeitung ohne Gamsbarthut, aber mit Liebe

Die WZ gehört zu Wuppertal wie die Schwebebahn, der Zoo und und das Engagement vieler Menschen für ihre Stadt.

Heimat ist ein beladener Begriff. Für den einen bezeichnet er den Ort, wo die Wiege stand, für den anderen ist Heimat die Stadt, in der er Freunde hat. Für viele ist Heimat überhaupt kein Kriterium mehr für den Ort, an dem sie wohnen. Sie setzen Heimat mit Zuhause gleich. Wie auch immer: Heimat, Zuhause – wer in einer Stadt, in einem Dorf wohnt, der macht sich in aller Regel damit gemein.

Wer wüsste das besser als die Wuppertaler, von denen so viele auch noch Barmer, Elberfelder, Ronsdorfer, Cronenberger oder Vohwinkeler sind. Zwar verschwimmen die Grenzen zusehends. Aber selbst unter jungen Wuppertalern ist die Identifikation mit dem eigenen Stadtteil noch sehr ausgeprägt. So manch ein Wuppertaler ist beispielsweise eben immer noch zuerst Sudberger, dann Cronenberger, danach Wuppertaler, nicht umgekehrt. Auf keinen Fall umgekehrt.

Für eine Tageszeitung kann das herausfordernd sein, vor allem dann, wenn sie in der Hauptsache wegen ihres Lokalteiles abonniert wird. Wie soll eine einzige Redaktion es all den Stadtteilpatrioten recht machen? Und wie begegnet sie am besten den Menschen in einer Stadt, die viel zu oft zu sich selbst auf Distanz geht?

Die Antwort lautet: Nähe. Sie lautet Zuneigung, ohne die journalistische Distanz zu verlieren. Sie lautet Wertschätzung und Toleranz gegenüber jenen, die im Großen ihre kleinen Eigenheiten bewahren wollen.

Mit diesem Anspruch ist die WZ in Wuppertal vor wenigen Jahren in ihre Zukunft gestartet. Monatelang haben sich Redakteurinnen und Redakteure, Verlags- und Vertriebsmitarbeiter gemeinsam Gedanken darüber gemacht, wie die WZ Wuppertal begegnen kann.

Das Ergebnis ist eine Konzeption, die im Kern eine „Zeitung mit Herz für Wuppertal“ beschreibt. Zeitung mit Herz für Wuppertal heißt dabei allerdings nicht Heimatzeitung mit Gamsbart und krachlederner Hose. Das Gegenteil ist der Fall.

Eine Zeitung dient der Stadt, der Region dann, wenn sie den Finger in die Wunden legt, wenn sie Korrektiv ist für jene, die in Räten und Verwaltungen das Sagen haben. Die Zeitung dient ihrer Region, wenn sie ihren Lesern nutzt, wenn sie dem lokalen Einzelhandel und der örtlichen Wirtschaft eine Plattform bietet.

Eine Lokalzeitung hat das ganze Leben abzubilden. Dazu gehört die vermeintlich große Politik im Stadtrat ebenso wie die vermeintlich kleine in den Bezirksvertretungen. Dazu gehört das Leben in den Vereinen ebenso wie die Bürgerinitiativen dazu gehören, die ihren Beitrag zu Wuppertal themenbezogen abseits von Parteien leisten wollen.

Eine Zeitung ist das Spiegelbild der Gesellschaft, die sie beschreibt. Sie kann Motor sein für Entwicklungen und sie kann durch ihre Berichterstattung ihren Lesern helfen, Fehlentwicklungen im Sinne aller Wuppertaler aufzuhalten. Sie kann die Menschen mit ihrer Stadt verbinden und die Stadt mit den Menschen. Genau das ist es, was die Westdeutsche Zeitung in Wuppertal sein will.

Im nun 130. Jahr des Bestehens der WZ in Wuppertal haben Redaktion und Verlag allen zu danken, die zu dieser langen, erfolgreichen Geschichte beigetragen haben. Dieser Dank gilt unseren Lesern und er gilt unseren Geschäftspartnern in Einzelhandel, Handwerk und Industrie.

Wir werden weitermachen, mit Liebe, Herz und Leidenschaft – für die Wuppertalerinnen, für die Wuppertaler, für Wuppertal.

Jochen Eichelmann
Lothar Leuschen