Teilen von E-Auto und Fahrrad

130 Jahre in Wuppertal:Teilen von E-Auto und Fahrrad

Flexible Nutzungskonzepte, die digital gesteuert werden, bringen Menschen 2035 mit diversen Verkehrsmitteln zu ihrem Ziel.

Von Ulrich Jaeger

Kaum ein anderer Bereich ist aktuell so in der öffentlichen Diskussion wie die Mobilität. Keine Woche vergeht, in der nicht neue Konzepte, Systeme, Antriebsarten oder anderes vorgestellt und öffentlich diskutiert werden. Die Frage, wie der ÖPNV oder der Verkehr in Wuppertal 2035 aussieht, kann daher nur grob beantwortet werden. Dennoch möchte ich an dieser Stelle einen Ausblick versuchen, der keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Korrektheit hat - denn beides ist bei der Vielzahl der Entwicklungen in einem kurzen Beitrag kaum zu leisten.

Diesel-Lkw neben Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeugen

Zunächst einmal zu den Antriebskonzepten: Der vielbeschworene Tod der fossilen Kraftstoffe wie beispielsweise des Diesels wird bis 2035 noch nicht eingetreten sein. Es wird nach wie vor nicht nur Autos, sondern auch Omnibusse und Lkw mit konventionellen Antrieben geben.

Daneben werden sich aber sicherlich zahlreiche Alternativen etabliert haben, wie beispielsweise Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff, batteriebetriebene elektrische Fahrzeuge, aber auch eventuell schon die ersten Ansätze für alternative Kraftstoffe (industriell gefertigt).

Der aktuelle Wettlauf um die richtige Technologie wird bis 2035 noch nicht entschieden sein. Für alle Antriebskonzepte gibt es gute und sinnvolle Anwendungsfälle und so werden wir eine Mischung aus unterschiedlichsten Dingen erleben und auf unseren Straßen sehen.

Für uns als Betreiber des ÖPNV erhöht dies zum einen die Komplexität, ergibt zum anderen aber auch Chancen, künftig leise und umweltfreundlich unterwegs zu sein. Auch die Seilbahn ist hier sicherlich nicht zu vergessen, denn auch sie kann ein wesentlicher Baustein zur öffentlichen Mobilität in dieser Stadt im Jahre 2035 sein.

Auto- und Fahrrad-Sharing sowie Mitfahrgelegenheiten

Sicherlich werden sich aber auch in Wuppertal neue Konzepte der Mobilität etablieren. Auch wenn diese aktuell noch nicht erkennbar sind, werden wir diverse Sharing-Systeme bekommen. Mit diesen können Kunden beispielsweise ein Auto nur stundenweise nutzen, ein Fahrrad mieten oder schlichtweg über eine App organisieren, dass sie irgendwo hin fahren können und von einem anderen mitgenommen werden. Die klassische Mitfahrzentrale wird eine Renaissance durch die neuen Technologien erleben, und es wird einfacher und komfortabler, gemeinsam vorhandene Ressourcen zu nutzen.

Dies wird auch für den ÖPNV eine interessante Entwicklung. Gerade in den Schwachlastzeiten abends oder am Wochenende bieten diese neuen Angebote interessante, komfortable, aber auch preiswerte Möglichkeiten, Menschen von A nach B zu bringen und eine öffentliche Mobilität sicher zu stellen.

Blick in die Zukunft: Verkehr 2035

Skeptisch bin ich in Bezug auf autonome selbstfahrende kleine Transportkapseln – oder wie immer man die in vielen Beschreibungen zu findenden neuen Autos nennen mag. Zum einen ist die technologische Herausforderung an Qualität, Zuverlässigkeit und vor allem Sicherheit immens, zum anderen löst diese Art der Mobilität nur bedingt unsere ökologischen und gesellschaftlichen Fragen. Sehr wohl kann dies in bestimmten Quartieren eine Lösung sein, aber immer nur als kleinräumiger Zubringerverkehr zum ÖPNV.

Das Smartphone sucht automatisch die beste Verbindung

Ein wesentlicher Baustein für die weitere Entwicklung ist die Digitalisierung. Die Bereitstellung von Informationen über unterschiedlichste Medien wird sich bis 2035 dramatisch verändert haben. Es wird nicht mehr notwendig sein, dass ich mir eine Fahrverbindung von A nach B aussuche. Stattdessen führt das heute bereits in einigen Anwendungen vorhandene automatische Interpretieren dazu, dass mir künftig mein Gerät anhand der Kalendereinträge automatisch Vorschläge macht, wie ich zu meinem Ziel komme.

Dabei wird es selbstverständlich sein, dass alle Verkehrsträger verglichen und aus den unterschiedlichen Angeboten in einer Region das für mich schnellste oder preiswerteste - was immer gerade wichtig ist - Angebot gezeigt wird und auch direkt durch einfache Buchung nutzbar wird.

Die Voraussetzung hierfür ist die weitere Digitalisierung aller Prozesse und Ressourcen, die für die Mobilität notwendig sind. Die heute noch teilweise schwierige Integration unterschiedlichster Verkehrsträger (Auto, Fahrrad, Bus. . .) wird bis 2035 soweit sein, dass wir diese Auskünfte selbstverständlich nutzen und verfügbar haben.

Last but not least dürfen wir aber nicht vergessen, dass der ÖPNV und auch der Verkehr insgesamt infrastrukturell Baumaßnahmen braucht, die leistungsfähige Straßen, Schienenwege etc. für alle Bürgerinnen und Bürger bietet. Die Baustellen, die wir aktuell auf den Autobahnen erleben, werden bis 2035 sicherlich zu einem großen Teil abgeschlossen sein, und wir werden über verbesserte Straßen, aber auch Schienenwege verfügen.

Schnelle und pünktliche Fahrt durch den Rhein-Ruhr-Express

Zentrale Bedeutung für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Wuppertal, hat das Projekt Rhein-Ruhr-Express. 2035 haben wir die ersten Jahre hinter uns, in denen der Rhein-Ruhr-Express im 15-Minuten-Takt den Metropolraum an Rhein und Ruhr verbindet. Dies bringt auch für Wuppertal eine verbesserte Anbindung mit den S-Bahnen, Regionalbahnen und Regional-Expressen. Im 15-Minuten- Takt sind wir damit in der Lage schnell, komfortabel und durch die eigene Infrastruktur, die an vielen Stellen geschaffen wurde, viel zuverlässiger und pünktlicher von Wuppertal in die anderen umliegenden Städte der Region zu kommen.

Der Wunsch von uns allen, damit schnell, zuverlässig und sicher von A nach B zu kommen, hat sich bis 2035 damit ein gutes Stück realisiert. Bis 2035 wird sich also einiges tun. Wir werden uns bis dahin intensiv mit unterschiedlichsten Technologien, neuen Angeboten und einem sich weiter verändernden Mobilitätsbedürfnis auseinandersetzen. Am Ende werden wir eine hohe Flexibilität durch eine Integration zahlreicher Akteure sehen, für die wir als Wuppertaler Stadtwerke sowohl die Plattform, als auch die konkreten Leistungen organisieren.