Schnelles Internet ist essenziell für Handwerker

130 Jahre in Wuppertal:Schnelles Internet ist essenziell für Handwerker

Kreishandwerksmeister Arndt Krüger sieht gute Chancen für Handwerker auch in 20 Jahren. Er mahnt aber eine bessere Ausbildung des Nachwuchses an.

Von Arnd Krüger 

Der Markt des Handwerks bietet Wuppertal vielversprechende Perspektiven, Verlässlichkeit und Wachstum. Die zahlreichen Fachbetriebe profitieren von der guten Zusammenarbeit mit der Westdeutschen Zeitung. In Zeiten wie diesen, wo Verbraucher manchmal in der Informationsflut untergehen zu drohen, brauchen die Unternehmen einen verlässlichen Partner in der digitalen Welt, das bietet die Westdeutsche Zeitung dem Handwerk vor Ort.

Die Digitalisierung verändert auch viele Handwerks-Berufe

Das Handwerk ist ein hochdynamischer Wirtschaftsbereich, der immer wieder Innovationen anstößt oder aufnimmt. Dabei hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Digitalisierung wird meist mit Dienstleistungsberufen oder der Industrie in Verbindung gebracht. Aber auch im Handwerk gibt es Berufe, die ohne nicht mehr denkbar sind.

Ob Kundenanbahnung via Homepage, Verwaltung, Konfektionierung, Lagerhaltung oder Visualisierung von Kundenwünschen: Digitalisierung steckt mittlerweile in einem Großteil der Leistungen des Handwerks.

Blick in die Zukunft: Handwerk 2035

Eine selbstverständliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung ist und bleibt schnelles Internet. Es kann nicht sein, dass ein Metallbauer den Entwurf eines Architekten nicht bearbeiten kann und erst einmal 50 Kilometer fahren muss, weil er die nötige Bandbreite für die Informationsübermittlung nicht hat. Hier muss und wird sich in den nächsten 20 Jahren noch einiges tun.

Ausbildung bietet viele Möglichkeiten für Berufseinsteiger

Das Handwerk bietet auch in naher und ferner Zukunft mit seiner Ausbildungs- und Chancenvielfalt gute Chancen für Berufseinsteiger. Wir haben ein starkes Handwerk: Konjunkturberichterstattung, Umsatzentwicklung, Einstellungs- und Investitionsbereitschaft der Betriebe zeigen, dass es dem Handwerk wirtschaftlich gut geht.

Auf der anderen Seite bereitet mir Sorge, dass mir immer mehr Betriebe von Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften und Auszubildenden berichten. Diese Probleme entwickeln sich zunehmend zur Wachstumsbremse für das Handwerk und die gesamte Wirtschaft. Aufträge werden abgelehnt, weil sie aufgrund fehlenden Personals nicht bedient werden können.

Wir wissen alle, das Fachkräfteproblem ist keine temporäre Herausforderung und es gibt viele Ursachen, die zu dieser Entwicklung geführt haben. Demografischer Wandel, Akademisierung der Bildung, veränderte Berufsvorstellungen von Jugendlichen und ihren Eltern bewirken, dass es nicht einfacher wird, Menschen von einer Zukunft im Handwerk zu überzeugen.

Aber gerade das Handwerk lebt von seinen Menschen: Ob Unternehmer, Gesellen oder Auszubildende: Sie alle machen das Handwerk stark. Und für sie – für ein starkes Handwerk - brauchen wir attraktive Arbeitsplätze und eine starke Bildung.

Starke Bildung bedeutet für mich erstens, starken Nachwuchs durch attraktive Ausbildung. Denn nur wenn wir genügend leistungsstarke Jugendliche für das Handwerk gewinnen, können wir unseren Nachwuchs sichern. Starke Bildung bedeutet zweitens, starke Fachkräfte im Handwerk durch hochwertige Fortbildung.

Denn nur wenn wir unseren Nachwuchs mit hoher Qualität weiterbilden, stehen uns ausreichend Fach- und Führungskräfte in den Betrieben und ausreichend Nachfolger für die Betriebsübergabe zur Verfügung. Und starke Bildung bedeutet für mich drittens, dass wir uns stark machen für die Herausforderungen der Digitalisierung und zwar mit Lösungen vom Handwerk für das Handwerk.

In den letzten Jahren zeigt sich ein Plus bei den Ausbildungsverträgen - das sind erst einmal positive Nachrichten, die zeigen, dass sich unsere gemeinsamen Anstrengungen langsam auszahlen. Der Trend zur akademischen Bildung bedeutet aber auch, dass wir nicht nachlassen dürfen, die Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk zu verbessern. Dazu zählt insbesondere die Entwicklung attraktiver Karrierewege im Handwerk im Anschluss an die Ausbildung.

Unterrichtsausfall wird zum Dauerproblem an Schulen

Wir müssen darauf achten, dass Berufsbildung nicht als Sackgasse gesehen wird. Wer sich für eine duale Ausbildung im Handwerk entscheidet, der soll zu jedem Zeitpunkt wissen, dass ihm vielfältige Karrierewege offen stehen.

Aber die Politik muss dazu ihre Hausaufgaben auch erledigen: Die Ausbildungsreife vieler Schulabgänger reicht nicht aus, weil es ihnen an grundlegenden Fähigkeiten, an ökonomischer und technischer Grundbildung und an Wissen um Berufs- und Arbeitswelt fehlt. Unterrichtsausfall und Lehrermangel sind nicht nur an den allgemeinbildenden Schulen, sondern vor allem an den Berufskollegs ein Dauerproblem.

Allein auf kommunaler Ebene gibt es viele Themen, bei denen das Handwerk auf Unterstützung und faire Rahmenbedingungen durch die Politik angewiesen ist. Dem Handwerk brennen hier zurzeit einige Themen unter den Nägeln: Abbau der hohen Belastung aus der Gewerbesteuer, eine Verkehrs- und Umweltpolitik, die auf die Belange des Handwerks und seiner Kunden Rücksicht nimmt, ausreichende Flächen für Gewerbeentwicklung sowohl an neuen Standorten als auch bei Erweiterungsbedarf an bestehenden Standorten, schnelle Verwaltungsdienstleistungen und eine aktive Wirtschaftsförderung.

Das Handwerk setzt auf ein partnerschaftliches Verhältnis mit der Stadt Wuppertal. Lebenswerte Kommunen mit attraktiven Innenstädten, mit hoher Lebensqualität und mit attraktiven Ausbildungs- und Arbeitsplätzen vor Ort sind ohne ein starkes Handwerk nicht denkbar.