Erneuerung des kompletten Gerüsts

130 Jahre in Wuppertal:Erneuerung des kompletten Gerüsts

Ab 1995 tauschten die WSW alle Stützen und Schienen aus und bauten viele Bahnhöfe neu. Jetzt ist die Schwebebahn fit für die Zukunft.

Von Tanja Heil 

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Gerüst und Bahnhöfe der Schwebebahn stark zerstört. Auch das Personal war vom Krieg dezimiert worden, Uniformen gab es nicht mehr. Trotzdem fuhren ab dem 26. Mai 1945 erste, teilweise unverglaste Wagen zwischen Sonnborn und Bruch. Bis Ende 1945 konnte die Strecke immerhin auf Vohwinkel bis Rathausbrücke in Barmen erweitert werden. Ab dem 21. April 1946 bediente die Schwebebahn wieder die komplette Strecke.

Eine bauliche Glanzleistung war die Anhebung des Schwebebahngerüsts um bis zu zwei Meter beim Bau des Sonnborner Kreuzes Anfang der 70er Jahre. In nur 16 Tagen schafften die Bauarbeiter diese Erhöhung auf 485 Metern Länge, um die erforderliche Straßenhöhe zu erreichen. Von 1972 bis 1975 wurden neue Wagen angeschafft, die jetzt nach und nach ausgemustert werden.

Als in den 80er Jahren der Abbau der Straßenbahn beschlossen wurde, die parallel zur Schwebebahn verlief, wurden zusätzliche Stationen nötig. Deshalb wurde 1982 die Station Ohligsmühle und 1999 die Kluse neu eröffnet, die nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut worden waren.

Ab 1995 begannen dann umfangreiche Erneuerungsarbeiten, um die Schwebebahn fit für die Zukunft zu machen. Alle Stützen und Gerüstteile wurden nach und nach ausgetauscht. Auch viele Stationen wurden modernisiert und erhielten ein neues Aussehen. Nur der Döppersberg aus den 20er Jahren, die Haltestelle Alter Markt aus den 60er Jahren und die Ohligsmühle von 1982 wurden im historischen Stil restauriert.

Aufgrund der Umbauarbeiten erschütterte am 12. April 1999 ein schwerer Unfall Wuppertal: Bauarbeiter hatten nach den nächtlichen Arbeiten eine Kralle am Gerüst vergessen. Die erste Bahn, die noch im Dunkeln am frühen Morgen fuhr, stürzte in die Wupper. Fünf Menschen kamen ums Leben. Daraufhin testete nach Bauarbeiten immer ein Leerzug die Gleise. 2014 wurde die Modernisierung abgeschlossen. Sie soll einen engeren Takt der Bahnen ermöglichen.

Dieses Ziel verfolgen auch die neuen Wagen der Schwebebahn. Seit dem 18. Dezember 2016 hängen die ersten der hellblauen Wagen mit den großen Panoramafenstern am Gerüst. In den kommenden Monaten sollen alle 31 Wagen zur neuen Generation gehören. Damit können die jährlich rund 24 Millionen Fahrgäste bald noch schneller durch Wuppertal schweben.