Auch in Zukunft gilt: Auf den Lehrer kommt es an

130 Jahre in Wuppertal:Auch in Zukunft gilt: Auf den Lehrer kommt es an

Statt zentraler Wissensvermittlung geht es in der Schule der Zukunft um persönliches Coaching und individuelle Entwicklung. Wuppertal ist dafür gut aufgestellt.

Von Karl W. Schröder 

Für die Gestaltungskraft und die Zukunftsfähigkeit einer jeden Gesellschaft kann die Bedeutung des Lehrerberufes nicht hoch genug eingeschätzt werden: Ein Beruf voller Herausforderungen, ein sehr schöner und zugleich sehr anspruchsvoller Beruf.

Es war der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie, der mit seiner weltweiten Studie der Erkenntnis zum Durchbruch verhalf, dass die wichtigste Voraussetzung für den Lernerfolg der Schüler ein guter Lehrer ist. Hatties Studie beruht auf einer umfangreichen Analyse von 50 000 Einzeluntersuchungen mit 250 Millionen Schülern.

Diese Studie des bekanntesten Bildungsforschers der Welt belegt wissenschaftlich, was an jeder Schule vor Ort erlebbar ist: Auf den Lehrer kommt es an!

Respekt vor der hervorragenden Leistung der Lehrer

An den Schulen arbeiten sehr gute Lehrer, die fachlich hervorragend ausgebildet sind, über herausragende pädagogische Fähigkeiten verfügen und Freude an ihrem Beruf haben. Ohne diese hoch kompetenten Lehrer wären viele Bildungsreformen der letzten Jahre nicht möglich gewesen. Man muss in der Praxis, also in der Schule, erlebt haben, was es heißt, die Inklusion umzusetzen und gleichzeitig viele Kinder, die aus anderen Kulturkreisen zugewandert sind, in das Schulleben zu integrieren.

Blick in die Zukunft: Schule 2035

Für viele Schüler ist der Lehrer und hier zumal der Klassenlehrer die entscheidende Bezugsperson. Gerade auch für benachteiligte Kinder leisten die Lehrer an den unterschiedlichsten Schulformen großartige Arbeit. Für alle Schüler ist das persönliche Gespräch mit dem Lehrer, der tröstet, motiviert und Mut macht, ein großer Gewinn. Den Lehrern gehört für ihre tägliche Leistung Anerkennung und der allergrößte Respekt.

Nur mit diesen engagierten Lehrern ist die Schule der Zukunft in der Lage, sich weiter zu entwickeln und neue Herausforderungen zu bestehen. Die aktuelle schulpolitische Entscheidung, pauschale Schulzeitverkürzungen zurückzunehmen, ermöglicht einen Paradigmenwechsel an den Schulen. Es ist die Abkehr von einer Schulorganisation, die zentral auf das Tempo setzt, mit der Kinder und Jugendliche die Schule durchlaufen. In den letzten Jahren der Umorganisation der Gymnasien auf G8 mussten die Lehrer viel Zeit und Kraft in die Umsetzung der Schulzeitverkürzung investieren. Jetzt heißt es, das Augenmerk wieder zentral auf eine Schulentwicklung zu legen, die den Unterricht, den Lernprozess in den Blick nimmt.

Der Lehrer ist zugleich Coach und Lernbegleiter

Mehr Zeit für Bildung schafft mehr Raum für ein umfassendes Lernangebot, das junge Menschen lebenstüchtig macht. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers ist die Aufgabe der Schule von heute und morgen. Die Weiterentwicklung dieses Anspruches, den Schüler da abzuholen, wo er steht und ihm die bestmögliche Bildung zu vermitteln, wird die Rolle des Lehrers und damit auch die Institution Schule weiter verändern.


Jakob Leonhards Söhne GmbH & Co. KG

In der bekannten Lehrerrolle erarbeitet der Lehrer mit seiner Klasse gemeinsam Kompetenzen und Wissen. In der Schule der Zukunft wird der Lehrer zunehmend immer mehr zum Lernbegleiter. Das heißt, neben den klassischen Unterricht treten neue Lernformen, die ein selbstständiges Lernen fördern und unterstützen. Dazu gehören freie Arbeitsformen und Zielvereinbarungen zwischen dem Lernbegleiter und seinem Schüler. Entsprechende Erfahrungen zu diesem Coaching des Schülers liegen an vielen Schulen vor und werden mit großem Erfolg praktiziert.

Das Ziel ist die Persönlichkeitsentwicklung

Der großartige Erfolg des zweimaligen Bundessiegers Tobias Gerbracht bei „Jugend forscht“ belegt, dass das Bergische Land über ein Fundament verfügt, das Exzellenzen ermöglicht. Tobias Gerbracht hat seine auch bundesweit anerkannte Leistung nämlich nicht nur als Schüler einer Wuppertaler Schule, sondern auch mit Unterstützung der Junior Uni, der Bergischen Universität und zahlreicher Wuppertaler Betriebe und Unternehmen erreicht.

Gute Zusammenarbeit zwischen Schulen, Uni und Junior-Uni

Für seine innovative Methode, Luftverschmutzung über längere Strecken zu messen, erhielt Gerbracht die Auszeichnung für interdisziplinäre Forschung. Eine solch bravouröse Leistung braucht ein entsprechendes Umfeld, das in der bergischen Region vorhanden ist und zukünftig noch stärker als Bildungsnetzwerk zu organisieren ist.

Wuppertaler Unternehmen, die mit ihren Produkten Weltmarktführer sind, benötigen junge Mitarbeiter, die aus einer Bildungslandschaft kommen, die exzellente Leistungen ermöglicht. Eine Gesellschaft, die von den Kompetenzen und der Bildung ihrer Jugend lebt, kann nicht darauf verzichten, die besonderen Talente in den Blick zu nehmen und diese herausragenden jungen Wissenschaftler zu fördern.

Dies gelingt zunehmend über Formen des freien Lernens, mit denen sich ein Bildungsanspruch verbindet, der die Fähigkeiten und Interessen des Schülers ernst nimmt und das herausragende Ziel der Persönlichkeitsentwicklung verfolgt.

Mit einem gut ausgebauten Schulsystem, der Junior Uni, der Bergischen Universität sowie zahlreichen weiteren Bildungsangeboten wie zum Beispiel dem Bergischen Schultechnikum und der Bergischen Musikschule verfügt die Region über eine sichere Basis. Bei all den Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen bleibt jedoch, dass es letztlich auf engagierte Lehrer in den Schulen und Hochschulen ankommt, die ihre Schüler und Studenten motivieren und fördern.

Es geht am Ende der Schulzeit nicht um den Schulabgänger, der über ein abgeschlossenes Wissen verfügt und ein Zertifikat nach Hause trägt, sondern um eine Persönlichkeit, die eigenständig und selbstbewusst auf ein lebenslanges Lernen vorbereitet ist.