12.07.2018

WZ Forum - Vorgesorgt

Warum (Ver-)Erben so schwer fällt: Wuppertaler Experten beleuchten Fachbegriffe

Über Geld spricht man nicht. Selbst im Kreis der Nächsten fällt es Menschen schwer, Themen wie Erbschaft oder Nachlassregelung anzusprechen. Oft mit fatalen Folgen.

Experten raten, rechtzeitig ein Testament, eine Patientenverfügung oder eine Nachlassvollmacht aufsetzen. Noch immer aber scheuen sich viele Deutsche, beizeiten klare Regelungen zu treffen. Foto: Thinkstock
Experten raten, rechtzeitig ein Testament, eine Patientenverfügung oder eine Nachlassvollmacht aufsetzen. Noch immer aber scheuen sich viele Deutsche, beizeiten klare Regelungen zu treffen. Foto: Thinkstock
Von Jürgen Grosche     

Der eine hat sie, der andere nicht: das Testament, die Patientenverfügung, die Nachlassvollmacht. Warum scheuen viele eine klare Regelung? Die Experten, die beim WZ-Forum „Vorgesorgt“ darüber diskutieren, können aus ihrem Berufsalltag einige Erklärungen dazu beisteuern. So sieht der Notar Dr. Philipp Freiherr von Hoyenberg eine „Hemmschwelle, über den Zeitpunkt zu sprechen, ab dem man nicht mehr handlungsfähig ist“. Wenn aber Vorfälle im eigenen Umkreis passieren, dann werden nach seiner Beobachtung viele wach und wollen ihre Angelegenheiten regeln. Allerdings seien viele Konstellationen kompliziert, wenn es etwa um Patchwork-Familien oder um Ehepaare aus verschiedenen Nationen geht.

„Die Nachlassregelung schiebt man gerne vor sich her“, beobachtet auch Jens Böttger, der bei der Stadtsparkasse Wuppertal fürs Generationenmanagement zuständig ist. „Wir versuchen, hier so frühzeitig wie möglich auf das Thema hinzuweisen. Da die Experten die Familiensituationen kennen, könnten sie auch Lösungen anbieten. „Wenn solche Lösungen gefunden sind, ist die Erleichterung groß“, stellt Böttger fest. Ein heikles Thema ist also immer wieder die Frage: Wer kümmert sich um mich, wenn ich nicht mehr entscheidungsfähig bin? Rainer Keßler (Caritasverband) weist darauf hin, dass es bei Fragen um Vorsorgevollmachten unmittelbar auch um Pflegethemen geht – und darum, wer das Aufenthaltsbestimmungsrecht ausübt. „Menschen haben Angst, dass der Weg ins Heim dann kurz ist, wenn sie selbst nicht mehr über ihren Aufenthalt verfügen.“

„Eine Vorsorgevollmacht kann nicht früh genug erteilt werden“, sagt Dr. Philipp Freiherr von Hoyenberg.
„Eine Vorsorgevollmacht kann nicht früh genug erteilt werden“, sagt Dr. Philipp Freiherr von Hoyenberg.
„Experten, die Familiensituationen kennen, können Lösungen anbieten“, berichtet Jens Böttger von der Stadtsparkasse Wuppertal.
„Experten, die Familiensituationen kennen, können Lösungen anbieten“, berichtet Jens Böttger von der Stadtsparkasse Wuppertal.
„Menschen haben Angst, dass der Weg ins Heim dann kurz ist, wenn sie selbst nicht mehr über ihren Aufenthalt verfügen“, sagt Rainer Keßler vom Caritasverband.
„Menschen haben Angst, dass der Weg ins Heim dann kurz ist, wenn sie selbst nicht mehr über ihren Aufenthalt verfügen“, sagt Rainer Keßler vom Caritasverband.
„Die Nachlassregelung schiebt man gerne vor sich her“, beobachtet auch Jens Böttger, der bei der Stadtsparkasse Wuppertal fürs Generationenmanagement zuständig ist. „Wir versuchen, hier so frühzeitig wie möglich auf das Thema hinzuweisen. Da die Experten die Familiensituationen kennen, könnten sie auch Lösungen anbieten. „Wenn solche Lösungen gefunden sind, ist die Erleichterung groß“, stellt Böttger fest.

Ein heikles Thema ist also immer wieder die Frage: Wer kümmert sich um mich, wenn ich nicht mehr entscheidungsfähig bin? Rainer Keßler (Caritasverband) weist darauf hin, dass es bei Fragen um Vorsorgevollmachten unmittelbar auch um Pflegethemen geht – und darum, wer das Aufenthaltsbestimmungsrecht ausübt. „Menschen haben Angst, dass der Weg ins Heim dann kurz ist, wenn sie selbst nicht mehr über ihren Aufenthalt verfügen.“


Petra Martens (Frowein & Partner) weist auf die Möglichkeit hin, zwei Menschen zu bevollmächtigen: „Die können sich dann auch ein Stück weit gegenseitig kontrollieren.“
Petra Martens (Frowein & Partner) weist auf die Möglichkeit hin, zwei Menschen zu bevollmächtigen: „Die können sich dann auch ein Stück weit gegenseitig kontrollieren.“
„Es kann schnell auch jüngere Menschen, etwa nach Unfällen, betreffen“, sagt Professor Dr. Petra A. Thürmann (Helios/Universität Witten/ Herdecke)
„Es kann schnell auch jüngere Menschen, etwa nach Unfällen, betreffen“, sagt Professor Dr. Petra A. Thürmann (Helios/Universität Witten/ Herdecke)
Thomas Buckard (MPF AG): „Wir beraten generationenübergreifend und binden die nächste Generation frühzeitig ein.“
Thomas Buckard (MPF AG): „Wir beraten generationenübergreifend und binden die nächste Generation frühzeitig ein.“
„Das Schlüsselwort heißt Vertrauen“, sagt Petra Martens (Frowein & Partner) dazu. Menschen müssten nicht nur denjenigen vertrauen können, die sie beraten, sondern auch denen, die sie bevollmächtigen wollen. Und auch, wer bevollmächtigt werden soll, müsse sich fragen: Kann ich das überhaupt leisten? Oder wäre ein Carigesetzlich Bevollmächtigter vielleicht die bessere Lösung? Gut sei es, wenn man die Person, die man bevollmächtigen will, und die Familiensituation gut und über längere Zeit kenne. Die Anwältin weist auf die Möglichkeit hin, zwei Menschen zu bevollmächtigen. Die können sich dann auch ein Stück weit gegenseitig kontrollieren.

Auch bei Lebensversicherungen sollte man frühzeitig klären, wer nach dem Ableben das Geld erhält“, sagt Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen. Fotos (7): Alois Müller
Auch bei Lebensversicherungen sollte man frühzeitig klären, wer nach dem Ableben das Geld erhält“, sagt Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen. 
Fotos (7): Alois Müller
Jedenfalls könne eine Vorsorgevollmacht „nicht früh genug“ erteilt werden, betont Freiherr von Hoyenberg. Aus seinem Arbeitsalltag weiß er von drastischen Folgen zu berichten, wenn nichts geklärt ist. „Es kann schnell auch jüngere Menschen betreffen“, warnt Prof. Dr. Petra A. Thürmann (Helios/Universität Witten/Herdecke), etwa in Folge von Unfällen. Auch sie erlebt im Alltag, wie sich fehlende Vorsorgevollmachten auswirken.

Nicht minder heikel ist das Thema Testament. Am einfachsten sei es noch unter Ehepaaren zu regeln, meint Freiherr von Hoyenberg. Da reiche oft ein handschriftlicher Satz in einem gemeinschaftlichen Testament. „Sobald Vermögen da ist, sollte man aber schon über ein ausführlicheres Testament nachdenken“, meint hingegen Böttger. Ob ein Testament die beste Lösung ist, müsse im Einzelfall geprüft werden, merkt Petra Martens an. „In manchen Fällen ist die gesetzliche Regelung sogar besser.“

Gerade bei Vermögensfragen beraten natürlich auch Vermögensverwalter, wie Thomas Buckard (Michael Pintarelli) ergänzt: „Wir beraten hier generationenübergreifend und binden die nächste Generation frühzeitig ein.“ Dies sei wichtig, damit die Nachfolgegeneration auf den Vermögensübergang auch gut vorbereitet sei.

Auf einen speziellen Aspekt der Nachlassregelung weist Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen, aus seinen Beobachtungen hin: Bei Lebensversicherungen solle man ebenfalls frühzeitig klären, wer nach dem Ableben das Geld erhält.

Vermögende Menschen denken häufig daran, eine Stiftung zu gründen. „Das ist für viele ein Thema“, weiß Böttger aus der Praxis. Darunter seien zum Beispiel Alleinstehende, die ihren Nachlass sinnstiftend einbringen wollen. Stifter haben zahlreiche Möglichkeiten – nicht nur die Gründung einer eigenen Stiftung. Sie können sich auch an bestehenden Organisationen als Zustifter beteiligen. Böttger nennt als Beispiel die Gemeinschaftsstiftung für Wuppertal, die die Stadtsparkasse ins Leben gerufen hat.


Hilfestellung im Dschungel des Gesundheitswesens

Der kürzlich erschienene Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz gibt Empfehlungen zur Verbesserung der Bildung, zu verständlicheren Arztaussagen und zu verlässlichen Informationen im Internet.

Trotz hoher Arztdichte und zahlreicher Behandlungs- und Beratungsangebote bleibt letztlich jeder selbst hauptverantwortlich für seine Gesundheit. Um diese Verantwortung wahrnehmen zu können, braucht es eine gute Gesundheitskompetenz – also die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen und zu nutzen, sich bei Krankheiten Unterstützung zu suchen und bei der Behandlung mitzuwirken. Doch das kann durch unverständlich aufbereitete Informationen oder „Ärztelatein“ erschwert werden. So ergab eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld, dass mehr als 54 Prozent der Bevölkerung nur über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz verfügen.

Deshalb wurde unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministers der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz entwickelt. Er wurde im Februar 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt und anschließend von zahlreichen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Praxis kommentiert und diskutiert. Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz konzentriert sich auf vier Handlungsbereiche und gibt 15 konkrete Empfehlungen zur Förderung von Gesundheitskompetenz. Unter anderem enthält er Ratschläge etwa zur Verbesserung der Bildung, zu verständlicheren Arztaussagen und zu verlässlichen Informationen im Internet.djd 

Weitere Infos unter:

nap-gesundheitskompetenz.de

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