31.08.2017

Handwerk in Wuppertal

„Wir müssen großflächiger denken“

Kreishandwerksmeister Arnd Krüger sieht das Wuppertaler Handwerk gut aufgestellt. Probleme bereiten aber Billiganbieter aus dem Osten sowie der zunehmende Nachwuchsmangel.

Die gelungene Fusion der Wuppertaler und Solinger Handwerkerschaften zu einer gemeinsamen Kreishandwerkerschaft im vergangenen Jahr ist nach Meinung von Kreishandwerksmeister Arnd Krüger vorbildhaft für das bergische Städtedreieck. Auch das müsse geschlossener nach außen hin auftreten.
Die gelungene Fusion der Wuppertaler und Solinger Handwerkerschaften zu einer gemeinsamen Kreishandwerkerschaft im vergangenen Jahr ist nach Meinung von Kreishandwerksmeister Arnd Krüger vorbildhaft für das bergische Städtedreieck. Auch das müsse geschlossener nach außen hin auftreten.
Gut eineinhalb Jahre gibt es nun die gemeinsame Kreishandwerkerschaft von Wuppertal und Solingen. Die Bilanz von Kreishandwerksmeister Arnd Krüger ist positiv: „Der Zusammenschluss hat sich normalisiert, wir arbeiten nun gut zusammen und haben eine gemeinsame Interessenvertretung für das Handwerk im Bergischen. Dabei arbeiten beide Standorte auf Augenhöhe.“ Mit diesem Schritt sei die Handwerkerschaft vorbildhaft für das Bergische Städtedreieck. Krüger: „Die bergischen Städte Wuppertal, Solingen und auch Remscheid stehen im Wettbewerb mit der Rheinschiene und dem Ruhrgebiet. Es ist Zeit, dass wir hier gleichberechtigt mitreden. Das kann aber nur gelingen, wenn wir nicht immer das Trennende suchen, sondern das Gemeinsame finden. Wir müssen lernen, großflächiger zu denken. Da sind die Handwerker von Wuppertal und Solingen schon auf einem guten Weg und Vorbild für die Kommunen.“ Die Nachricht vor einigen Wochen, dass das Bergische Land zu den innovativsten Regionen Deutschlands zählt, sieht Krüger in diesem Zusammenhang als Bestätigung: „Wir sind hier eher mittelständisch geprägt, aber wir waren schon immer weltoffen. Das muss weiterentwickelt werden.“

Die Bautätigkeit in Wuppertal hinkt hinter denen der Städte der Rheinschiene hinterher, beklagt das Wuppertaler Handwerk.
Die Bautätigkeit in Wuppertal hinkt hinter denen der Städte der Rheinschiene hinterher, beklagt das Wuppertaler Handwerk.
Dabei ist nach Angaben des Kreishandwerksmeisters die Lage der Betriebe im Großen und Ganzen aktuell recht gut. Vor allem die Sanitär-, Heizung und Klima- sowie die Elektro-Branche können sich über mangelnde Aufträge nicht beschweren. Andere, etwa etwa Krügers eigenes Gewerk, die Glaser, wie auch Maler und Dachdecker, stünden stärker im Wettbewerb. Sorge bereitet dem regionalen Handwerk indes der „Import von ausländischer Produktion“, wie Krüger es nennt. Damit meint er Billiganbieter aus Osteuropa, die durch die vorgeschriebenen europaweiten Ausschreibungen, vorzugsweise auf Großbaustellen zum Einsatz kommen. „Da stellen wir uns schon die Frage, ob denn da auch stets die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne gezahlt werden. Und ob das überhaupt überprüft wird. Wir wissen es nicht und die Kommunen offenbar auch nicht.“ Nach Krügers Angaben soll es hierzu demnächst eine Gesprächsrunde mit Oberbürgermeister Andreas Mucke geben. Dieser „Import von Material und Arbeitskräften“ zwinge jedenfalls zahlreiche örtliche Handwerksbetriebe, sich zunehmend „Nischen“ zu suchen.

Im Namen des Handwerks beklagt der Kreishandwerksmeister des Weiteren die schwache Neubautätigkeit, namentlich in Wuppertal. „In 2016 wurden hier gerade mal 390 Wohnungen fertig gestellt. Das machen die in Düsseldorf an einem Wochenende.“ In der Bautätigkeit habe die bergische Metropole „erheblichen Nachholbedarf“. Krüger: „Es passiert zu wenig in Sachen Neubauten. Es ist noch immer nicht gelungen, das Bergische Städtedreieck als lebenswerte Alternative zur Rheinschiene zu entwickeln.“

Elan der letzten Jahre droht wieder verloren zu gehen

Hier müssten die bergischen Städte und vor allem Wuppertal „mehr Eigendynamik“ entwickeln, damit wieder investiert werde. Krüger: „Leider droht der Elan der letzten Jahre jetzt wieder verloren zu gehen.“ Der Döppersberg sei hier ein Aufbruchssignal: „Es kann eine Riesenchance sein, aber man muss sie nutzen.“

Ein „Wahnsinnsthema“ ist für Krüger die Nachwuchsfrage: „Das ist inzwischen ein gesamtgesellschaftliches Thema, das alle angeht.“ Es gebe aktuell zu wenige junge Menschen, die sich für das Handwerk interessieren. Dabei sei beides gefragt: Viele Gewerken benötigten durch Innovationen und Digitalisierung gut vorgebildete Menschen. Andererseits bedeute Handwerk auch immer noch körperliche Betätigung. „Doch es fehlt in unserer Gesellschaft zunehmend an der Bereitschaft, Verantwortung etwa in einem eigenen Betrieb zu übernehmen, ein Risiko einzugehen und Ertrag zu erwirtschaften. Immer weniger können wir die jungen Leute mit monetären Anreizen locken.“ Es müssten neue Denkmodelle her. „Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, werden in fünf bis zehn Jahren viele Handwerksbetriebe schließen. Und das wäre schlimm für die Versorgungslage in der Bevölkerung.“


Kreishandwerkschaft Salingen-Wuppertal

Viele Betriebe planen Digitalisierung

Die Nutzung von neuen Chancen ist das vorherrschende Motiv bei den Investitionen in die Digitalisierung. Unternehmen des Groß- und Außenhandels sind Vorreiter bei der Umstellung. Kleine und junge Unternehmen zeigen sich laut Zentralverband des Deutschen Handwerks weit zurückhaltender. Schwierigkeiten bei der Anpassung der Unternehmens- und Arbeitsorganisation sind das größte Hemmnis.

Der größte Teil der Unternehmen in Deutschland plant, in den kommenden zwei Jahren Digitalisierungsmaßnahmen durchzuführen. Knapp 42 Prozent geben in der Unternehmensbefragung 2017 an, Investitionen in die Digitalisierung fest eingeplant zu haben. Ein Viertel der Unternehmen ist noch unentschieden, ein Drittel sieht keine Digitalisierungsmaßnahmen vor. Zu den Vorreitern der Digitalisierung zählen die Unternehmen des Groß- und Außenhandels. Mehr als zwei Drittel von ihnen wollen in den kommenden 24 Monaten entsprechend investieren. Neun von zehn Unternehmen nennen als eines ihrer Motive für die Digitalisierung, die Chancen der neuen Technologien nutzen zu wollen. Für zwei Drittel der Unternehmen ist dies sogar der einzige Grund für ihre Aktivitäten. Neben der Nutzung von Chancen nennen die Unternehmen konkrete Forderungen von Kunden, Wettbewerbsdruck am Markt und Druck in der Wertschöpfungskette als Antriebsfaktoren für Digitalisierungsmaßnahmen.


„Ein großer Teil der Unternehmen geht das Thema Digitalisierung aktiv an.“


Der Chefvolkswirt der KfW, Dr. Jörg Zeuner, sagte zu den Ergebnissen der Unternehmensbefragung: „Die Digitalisierung gilt als wesentlicher Treiber für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft. Die Unternehmensbefragung 2017 zeigt, dass ein großer Teil der Unternehmen dieses Thema zunehmend aktiv angeht und das vor allem mit dem Ziel, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Das ist ein ermutigendes Signal, das zeigt: Es bewegt sich etwas.“

Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Befragung zwischen größeren und kleinen Unternehmen: Während knapp 80 Prozent der Unternehmen mit mehr als 50 Millionen. Euro Jahresumsatz Digitalisierungsmaßnahmen planen, tun dies nur rund 27 Prozent der Unternehmen mit weniger als einer Millionen Euro Jahresumsatz. Junge Unternehmen äußern sich deutlich zurückhaltender als ältere; nur 32 Prozent der jungen Firmen wollen in absehbarer Zeit in die Digitalisierung investieren. Ein Grund hierfür könnte sein, dass junge Unternehmen häufiger bereits mit modernen Technologien starten und daher in ihren Anfangsjahren seltener als ältere Unternehmen einen Nachholbedarf haben. Junge Unternehmen berichten auch seltener über die Nutzung von Chancen als Grund für ihre Digitalisierungsmaßnahmen, sie nennen hingegen stärker äußere Faktoren wie Forderungen von Endkunden oder Wettbewerbsdruck als Motiv.

Bei der Durchführung von Digitalisierungsmaßnahmen sehen sich die Unternehmen mit verschiedenen Hemmnissen konfrontiert. Die mit 33 Prozent am häufigsten genannten Schwierigkeiten betreffen die Anpassung der Unternehmensbeziehungsweise Arbeitsorganisation bei der Umstellung auf eine stärker digitalisierte Arbeitsweise. Weitere Hemmnisse sind Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz (31 Prozent) und mangelnde IT-Kompetenzen im Unternehmen beziehungsweise Verfügbarkeit von IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt (28 Prozent). Mit Werten zwischen 26 und 28 Prozent folgen eine mangelnde Qualität der Internetverbindung, etwa was Geschwindigkeit und Stabilität betrifft, Schwierigkeiten bei der Umstellung der bisherigen IT-Systeme sowie die Unsicherheit über zukünftige Technologien und Standards.

Die Befragung wurde zum 16. Mal unter Unternehmen aller Größenklassen, Branchen, Rechtsformen und Regionen durchgeführt, wobei erstmals eine Umfrage zur Digitalisierung in die Verbändeumfrage integriert wurde. An der Erhebung nahmen insgesamt 18 Fach- und Regionalverbände der Wirtschaft teil. Sie erfolgte zwischen Mitte Dezember 2016 und Mitte März 2017.
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