31.8.2018

Handwerk in Wuppertal

Spezialisten für Gebäudetechnik

Anlagenmechaniker der Sanitär-, Heizungs- und Klima-Branche sind gefragt wie nie. Die Auftragslage ist gut.

Ein junger Anlagenmechaniker in Aktion. Die Innung rät vor Ausbildungsstart zu einem Betriebspraktikum, um die Berufswahl zu erleichtern.
Ein junger Anlagenmechaniker in Aktion. Die Innung rät vor Ausbildungsstart zu einem Betriebspraktikum, um die Berufswahl zu erleichtern.
Hans-Ulrich Vaupel, Obermeister der Wuppertaler Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innung, kann über die Lage in seiner Branche nicht klagen: „Die Auftragssituation ist noch besser als im Vorjahr, und da waren wir schon sehr zufrieden.“ Grund ist natürlich der anhaltende Bauboom, aber auch die zunehmende Nachfrage nach Leistungen vom Fachmann.

Erfolgreiche Werbekampagne der Innung

„Es gab ja in jüngster Zeit zum Teil den Trend, sich sanitäre Einrichtungen und komplette Bäder im Baumarkt zu bestellen und von dessen Mitarbeitern dann einbauen zu lassen. Das war dann nicht immer von bester Qualität und es gab oft Reklamationen“, sagt Vaupel. So wendeten sich die Kunden nun wieder vermehrt den Experten von der Innung zu. Die hat das erkannt und mit entsprechenden Werbeaktionen den Trend noch befördert. „2017 haben wir einen Werbebus mit der Aufschrift ,Im Internet gesehen – gekauft und eingebaut vom Innungsfachbetrieb’ auf die Reise geschickt“, berichtet Vaupel. „Die Aktion war enorm erfolgreich.“ Abgelesen hat die Innung dies an der Resonanz bei der jüngsten SHK-Fachmesse – übrigens die größte ihrer Art in Deutschland – im Februar in der Wuppertaler Historischen Stadthalle. „Jeder, der den Bus gesehen hat, konnte ein Foto machen und dieses zur Messe mitbringen, wo es im Gegenzug ein Präsent gab. Wir waren selbst überrascht, wie viele Rückmeldungen es gab. Solche Werbung bringt uns neue Kunden und füllt die Auftragsbücher.“
 
Hans-Ulrich Vaupel, Obermeister der Wuppertaler Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innung.
Hans-Ulrich Vaupel, Obermeister der Wuppertaler Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innung.
Aber auch in Sachen Nachwuchs ist die Innung aktiv. Unter anderem geht man in Schulen und spricht die jungen Leute gezielt an. „Grundsätzlich raten wir, frühzeitig ein Praktikum in einem Betrieb zu machen. Auf diese Weise kann der Schüler am besten feststellen, ob es wirklich der richtige Beruf für ihn ist. Ein Praktikum erleichtert die Berufswahl enorm“, sagt Vaupel. Denn immer noch gebe es manche Vorurteile gegenüber dem Sanitärhandwerk. „Viele meinen ja, wir würden vor allem mit Fäkalien hantieren. Aber das haben längst Spezialfirmen übernommen. Sanitär- und Heizungsbetriebe dagegen sind heutzutage Spezialisten für Gebäudetechnik.“

In Sachen Rekrutierung von Nachwuchskräften steht die Innung auch Migranten gegenüber offen. Diese kommen, in der Regel aufmerksam geworden über das Ausbildungsportal der Kreishandwerkerschaft oder deren Facebookseite, meist mit den ihnen zur Seite gestellten Begleitern. „Aber damit sind wir nicht so ganz glücklich. Denn im Gegensatz zu anderen Bewerbern sind die Rückmeldungen bei Migranten leider sehr gering. Es scheint uns manchmal fast so, als wollten die Betreuer ihre Schützlinge so lange wie möglich noch bei sich halten. Ob das an einer damit verbundenen Bezahlung oder an irgendwelchen Bürokratien liegt, weiß ich nicht. Jedenfalls ist es sehr schwierig, auch etwas über den Wissensstand oder mögliche Abschlüsse der Flüchtlinge von den Betreuern in Erfahrung zu bringen.“ Dabei bietet die Innung einen Einstellungstest an, bei dem das Wissensniveau getestet wird. Und sie stellt auch einen eigenen Nachhilfelehrer, der helfen kann, Bildungslücken zu beheben. „Im übrigen können viele junge Migranten durchaus ein Zeugnis vorweisen“, sagt Vaupel. In der Wuppertaler Sanitär- und Heizungs-Innung fangen jährlich 40 Azubis an. An die 130 sind derzeit in der Ausbildung. Da aber mehr als 30 Prozent sich in der Regel weiterbilden, sei es als Berufsschullehrer, Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik oder anderes, fehlten am Ende doch rund 30 Fachkräfte pro Jahr.

„Wir haben ein Alterungsproblem, auch hier in Wupper tal. Immer wieder rufen Kollegen an und fragen, wie sie an Monteure kommen“, sagt Vaupel Dabei geht technologisch die Entwicklung auch in der SHK-Branche weiter. „Das Thema der Zukunft heißt Brennstoffzelle“, sagt Vaupel. „Noch ist hier nicht die Marktreife erreicht, aber wir hoffen, dass das bald an den Start geht. Es wird zur Folge haben, dass die Azubis eine Teilausbildung bei der Kfz-Innung machen müssen.“ Parallel dazu sind auch die Betriebe gezwungen, auf dem neusten Stand zu sein. Der SHK-Fachverband NRW hat dafür den „SHK-Expert“ erfunden. Dieses Zertifikat gibt es seit einem Jahr. Um es zu bekommen, müssen Betriebe nachweisen, dass sie sich regelmäßig fortbilden und sich diesbezüglich mit einem Punktesystem prüfen lassen. 

Damit die Heizung optimal arbeitet

Ein hydraulischer Abgleich ist die Basis für eine effiziente Wärmeverteilung

In vielen Gebäuden in Deutschland arbeiten die Heizungsanlagen nicht effizient – ein hydraulischer Abgleich kann für eine optimale Wärmeverteilung sorgen.
In vielen Gebäuden in Deutschland arbeiten die Heizungsanlagen nicht effizient – ein hydraulischer Abgleich kann für eine optimale Wärmeverteilung sorgen.
Heizkörper, die bei Bedarf schnell angenehm warm werden, ganz ohne störende Geräusche und unnötig hohe Heizkosten: Dies wünschen sich in der kalten Jahreszeit Eigentümer wie Mieter einer Immobilie.

Das gesamte Heizsystem untersuchen

Doch in vielen Gebäuden in Deutschland arbeiten die Heizungsanlagen nicht effizient. Pumpenleistung und Wasserdruck sind oft nicht so eingestellt, dass sie alle Heizkörper in einem Heizsystem mit der optimalen Menge an Warmwasser versorgen - denn Wasser fließt immer den Weg des geringsten Widerstandes. Die Konsequenz: Räume oder Wohnungen, die sich weiter entfernt von der Heizungsanlage befinden, werden nicht warm genug. Wer nur die Vorlauftemperatur oder die Pumpenleistung erhöht, steigert zwar die Wärmezufuhr in den zuvor kühleren Zimmern oder Wohnungen, aber zugleich werden Räume oder Wohnungen nahe der Heizungsanlage überversorgt. Die Heizkörper werden zu heiß, lassen sich schwer regulieren, und es entstehen lästige Strömungsgeräusche. Zudem wird unnötig Energie verbraucht, die Heizkosten steigen ebenso wie die Stromkosten für die Pumpe, es kommt zu einem vermehrten, umweltschädlichen CO2-Ausstoß, und der Wohnkomfort sinkt deutlich. Besser ist es, um für eine effiziente Wärmeverteilung in der Immobilie zu sorgen, mithilfe eines sogenannten „hydraulischen Abgleichs“ alle Komponenten an den Verbrauchern (Heizkörper, Fußbodenheizung et cetera) und im Verteilsystem richtig einzustellen.

Praktisch ist es, die dazu nötige umfassende Datenaufnahme, Analyse und Anpassung des Heizsystems mit einem fachkundigen Partner wie beispielsweise Techem durchzuführen. Die Experten des Anbieters für Energiemanagement und -effizienz in Gebäuden stellen sicher, dass jeder Heizkörper oder jeder Heizkreis einer Flächenheizung mit genau der Menge an warmem Heizungswasser versorgt wird, die er zur Erreichung der gewünschten Raumtemperatur benötigt. Dazu werden Volumenstrom und Druckdifferenzen entsprechend reguliert, sodass das Heizsystem mit niedrigeren Systemtemperaturen betrieben und damit der Brennstoffverbrauch deutlich reduziert werden kann. Unter www.techem.de gibt es weitere Informationen. Der hydraulische Abgleich zeigt auch bauliche Mängel, defekte Ventile oder Verschraubungen auf, und die Fachleute können weitere Schritte zu mehr Energieeffizienz empfehlen. Der Bund fördert die Durchführung des hydraulischen Abgleichs im Rahmen seines BAFA-Programms zur Heizungsoptimierung mit bis zu 30 Prozent der Nettoinvestitionskosten. Damit zahlt sich diese Maßnahme für die Verbraucher gleich mehrfach aus: Sie erhöhen die Wohnqualität, sparen Energiekosten, schonen die Umwelt und dürfen sich über eine Finanzspritze vom Staat freuen.

Fachkräfte werden dringend gesucht

Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind prall gefüllt. Doch bei Handwerksfirmen fehlen zunehmend Fachkräfte vor allem im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk. Das hat Folgen für den Wohnungsbau.

Weil Fachkräfte fehlen, können viele Aufträge nicht schnell genug abgearbeitet werden.
Weil Fachkräfte fehlen, können viele Aufträge nicht schnell genug abgearbeitet werden.
Klempner, Heizungsinstallateure und Co. dringend gesucht: Fehlende Fachkräfte und der Baulandmangel in Ballungszentren bremsen nach Einschätzung der KfW den Bau neuer Wohnungen. Die wichtigste Ursache für Engpässe auf dem Wohnungsmarkt seien nicht zu langsame Genehmigungen der Kommunen oder zu wenige Bauwillige. Eine zentrale Rolle spielten vielmehr Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft – zunehmend ausgelöst durch Fachkräftemangel, heißt es in einer Studie der staatlichen Förderbank.

„In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor immer weiter geöffnet. Aktuell warten in Deutschland 653 000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung“, erläuterte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind prall gefüllt, doch weil Fachkräfte fehlen, können sie nicht schnell genug abgearbeitet werden. Während das Bauhauptgewerbe, zum Beispiel Hochbauunternehmen, den Angaben zufolge die Lücke bislang mit Mitarbeitern aus dem Ausland füllt, fehlen im Bau handwerk zunehmend qualifizierte Kräfte.

Vor allem Meister sind schwer zu bekommen

Der Studie zufolge mangelt es an Fachkräften im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk. Das zeige die hohe Zahl und die lange Dauer gemeldeter offener Stellen bei der Bundesarbeitsagentur, sagte Zeuner. Vor allem Meister seien schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere qualifizierte Mitarbeiter. „Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland“, warnte der Ökonom.

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